Innovationsausschrei­bungen sollten Impulse für technologische Innovationen liefern

Am 1. September hätte es soweit sein sollen. Doch vorerst gibt´s wenig Innovatives bei den Erneuerbaren-Ausschreibungen. Mit Enttäuschung und Kritik reagierten Verbände und Investoren von EEG-Anlagen jüngst auf den ersten Entwurf einer Verordnung zu den so genannten Innovationsausschreibungen im EEG. Die Idee dieser Ausschreibungen: neuen Technologien den Weg ebnen, ohne dass dafür die Kosten ins Uferlose steigen. Was muss beachtet werden, damit ein Mechanismus im EEG dieses Ziel erreichen kann?

Kostenfrage entscheidet auch über Akzeptanz der Energiewende

Welpenschutz für erneuerbare Energien gibt´s nur noch für kleine Anlagen: Seit der Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) 2017 wird die Höhe der Vergütung für Strom aus großen EE-Erzeugungsanlagen nicht mehr staatlich festgelegt, sondern durch Ausschreibungen ermittelt. Statt unbegrenzt Windräder oder Biogas-Anlagen auf Basis einer vorher festgelegten Prämie zu installieren, erhalten Betreiber von Öko-Stromerzeugungsanlagen seitdem einen Anreiz, ihre Anlagen gezielter zu planen und so preisgünstig wie möglich zu kalkulieren. Der Gesetzgeber will noch einen zusätzlichen Schritt gehen: Mit so genannten Innovationsausschreibungen soll erprobt werden, wie Technik und Vermarktung der Grünstromerzeugung in Zukunft besser ins Gesamtsystem integriert werden könnten. Ziel: effiziente Technologie bedarfsgerecht einsetzen. 

Das Energiesammelgesetz sieht deshalb vor, neue Preisgestaltungsmechanismen und Ausschreibungsverfahren zu erproben. Geplant war, bei Innovationsausschreibungen in diesem Jahr 250 Megawatt, in 2020 400 Megawatt und in 2021 500 Megawatt auszuschreiben. Diese Mengen würden von den regulären Ausschreibungsmengen für Windenergieanlagen an Land und Solaranlagen abgezogen. 

Wer verstehen will, warum das Ausschreibungsdesign in der ohnehin komplexen Erneuerbaren-Welt ein so brisanter und umstrittener Aspekt ist, muss dieser Tage nur aufmerksam die Nachrichten aus der Energiewelt verfolgen. Schlagzeilen machte (wieder einmal) die Abregelung von Windenergieanlagen – und damit indirekt die Frage nach der Akzeptanz und nach den Kosten für den Umbau des Energiesystems. Im besonders windigen Winter wurde oft mehr Ökostrom produziert, als die Stromnetze aufnehmen konnten – nämlich etwa 3,3 Milliarden Kilowattstunden. Genug Strom, um rein rechnerisch über eine Million Haushalte ein Jahr lang zu versorgen. Eine echte Verschwendung also. Doch bekanntermaßen lassen sich neue Leitungen leider nicht so schnell und einfach legen. Als Alternative den Ausbau der Erneuerbaren zu stoppen, steht ebenso wenig zur Diskussion. Also gilt es, innovative Lösungen für den Ausbau von Erneuerbaren zu suchen, die perspektivisch die Kosten der Energiewende bremsen.

Grünen Strom nutzen statt abregeln

Innovative Technologien sind beispielsweise PV-Module, die, anders als die derzeit marktüblichen, an Hauswänden oder auf Industrieanlagen eingesetzt werden können. Eine andere Innovation besteht darin, Windkraft- und Solaranlagen miteinander zu kombinieren – solche Kombikraftwerke könnten mehr Strom erzeugen als eine Windturbine oder eine Solaranlage im „Solo“-Betrieb. Auch eine breitere Nutzung so genannter Power2X-Technologien wäre denkbar. Gemeint ist hiermit die Speicherung von regenerativ erzeugtem Strom in Form von mit Elektrolyse erzeugtem Gas. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Allerdings fehlt bisher der gesetzgeberische Rahmen für solche Neuerungen. Innovationsauschreibungen könnten den Weg für eben diese Neuerungen ebnen. Getreu der Wortbedeutung (lat. innovare = erneuern) muss im Mittelpunkt stehen, etwas Neues zu erproben! Im Fokus sollte hierbei stehen, den regenerativ erzeugten Strom zu nutzen oder zu speichern, um in Zukunft zu vermeiden, dass er abgeregelt werden muss. 

Innovationsausschreibungen bieten in jedem Fall gute Chancen, technologische Entwicklungen anzustoßen und das Ausschreibungsdesign auf neue Herausforderungen anzupassen. Der Gesetzgeber sollte jedoch nicht versuchen, zu viele Probleme gleichzeitig lösen zu wollen. Um bei Ausschreibungen effektiven Wettbewerb zu gewährleisten, müssen Eigenschaften vergleichbar sein. 

Daher sollten zunächst konsistente und möglichst messbare Ziele definiert werden mit einem Fokus auf technologische Innovationen. Solche, im kleinen Rahmen von Innovationsausschreibungen erfolgreich erprobten Lösungen, könnten später auf die Hauptausschreibungen übertragen werden. 

Ideen für eine bessere Flächennutzung entwickeln

Mit Blick auf die derzeit angespannte Situation beim Erneuerbaren-Ausbau sollten Innovationen in erster Linie im technologischen Bereich vorangetrieben werden: Da Flächen für den Bau von EE-Anlagen immer knapper werden, sollte der Gesetzgeber Anreize für eine effiziente Nutzung dieser Flächen bieten. Konkret bedeutet das: möglichst geringe Fläche in Anspruch nehmen, um hohe Stromerträge erzielen. Was das konkret bedeutet, soll an einigen Beispielen verdeutlicht werden. 

Windturbinen, die aufgrund ihrer Bauweise einen höheren spezifischeren Ertrag liefern und damit unterm Strich weniger Fläche benötigen als vergleichbare Anlagen, sind zwar in der Regel teurer. Es wäre jedoch denkbar, dies bei Ausschreibungen zu berücksichtigen, gemäß der (zugegebenermaßen stark vereinfachten) Formel: weniger Platzbedarf bei gleicher Leistung = höhere Förderung. 
Anderes Beispiel für eine Innovation, die noch nicht mit einer bestehenden Technologie wirtschaftlich konkurrieren kann: flexible und ultraleichte Solarzellen. Sie könnten beispielsweise auf Fassaden von Gebäuden oder Industriebauten installiert werden. Derzeit sind solche Zellen zwar teurer als herkömmliche PV-Module. Im Gegensatz etwa zu Freiflächen-PV-Anlagen werden aber keine zusätzlichen Flächen benötigt. Auch PV-Freiflächen-Anlagen, die so gebaut sind, dass sich Flächen unterhalb der Module landwirtschaftlich weiter nutzen lassen, sollten künftig stärker zum Einsatz kommen. So würden tatsächlich Innovationen im Fokus der Innovationsausschreibungen stehen.

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