„Wir verwandeln Wärme in Kälte“

Siegfried Moritz
Foto: Espen Eichhöfer/OSTKREUZ

Das Ruhrgebiet – einst industrielles Herz Deutschlands, Heimat Hunderter Zechen und Zentrum der Stahl- und Eisenproduktion. Als eines der größten industriellen Ballungsgebiete Europas ist es heute vielfältiger, innovativer und sauberer als jemals zuvor. Aber die Städte in dieser Region suchen nach Lösungen, um die Schadstoffbelastung in der Luft noch weiter zu senken und die Innenstädte lebenswerter zu machen. Daraus entstehen interessante Konzepte, wie z.B. im Hafen von Dortmund: Im Innovationszentrum „Cleanport“ siedeln sich Unternehmen an und versuchen beispielsweise, nachhaltige Energiekonzepte umzusetzen. So kommt es, dass zwei dort ansässige Firmen die Abwärme aus der Rußproduktion für die Tiefkühlung von Lebensmitteln nutzen wollen.

Siegfried Moritz ist Finanzchef der Deutsche Gasrußwerke GmbH (DGW) und hatte schon immer einen Blick für die Finanzen, aber auch für die Umwelt. So ist es nicht verwunderlich, dass er nicht nur mit allen Ressourcen sparsam umgehen will, sondern auch seinen Beitrag gegen den Klimawandel leisten möchte. Wir wollten wissen, wie dieses Projekt begonnen hat.

Herr Moritz, wie kam es zu diesem Projekt?

„Wir sind die Deutsche Gasrußwerke GmbH und produzieren an unserem Standort in Dortmund Industrieruß, der in der Gummiindustrie zum Einsatz kommt und den Sie so z. B. in Autoreifen wiederfinden können. Bei diesem Prozess fallen große Mengen überschüssiger Energie an, genauer gesagt Wärme. Diese wurde seit 2004 bereits in Teilen entweder an der Energiebörse gehandelt oder an die Stadtwerke verkauft, jedoch bestand noch weiteres Abwärmepotenzial. Hinzu kommt, dass die Stadt Dortmund einen Plan für unseren Standort hat. Sie will mit dem Innovationszentrum den Industriehafen revitalisieren und dafür innovative, klimafreundliche Unternehmen gewinnen. Wir suchten zum einen nach einer Lösung, die Abwärme nutzbar zu machen und zum anderen nach einem Unternehmen, das bereit war, diese wiederverwertete Energie einzusetzen und auf die freie Fläche neben unserem Standort zu expandieren.“

Freezer Facility

Wie genau funktioniert die Lösung?

„Das Kernstück unseres Projektes ist eine Energiezentrale mit Wärmerückgewinnung, die überschüssige Energie in Nutzenergie umwandelt und sie wieder anbietet. Mit der Coldstore Group haben wir ein Unternehmen gefunden, das von der günstigen, wiederverwerteten Energie profitieren will und im Rahmen dieser Kooperation direkt neben den Gasrußwerken einen Standort mit Tiefkühllager ansiedeln wird, was zusätzliche Arbeitsplätze in die Region bringt. Auf dem Gelände in Dortmund wird ein 5.000-Tonnen-Gefrierhaus mit einer Einfrierkapazität von 300 Tonnen in 24 Stunden errichtet. So nutzen wir unsere Wärme zur Frostung der Lebensmittel, die Sie später in der Tiefkühlabteilung Ihres Supermarktes wiederfinden.“

Coldstore

Was ist für Sie das besondere an der Lösung?

„Alle Beteiligten haben Vorteile. Energieeffizienz und CO2-Einsparung leisten einen Beitrag für die weitere positive Entwicklung unseres Unternehmens. Gemeinsam mit E.ON als Partner aus der Energiebranche, der Stadt Dortmund und der Firma Coldstore haben wir Konzepte entwickelt, die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit erfolgreich verbinden. E.ON hat die ursprüngliche Idee, unsere industrielle Abwärme in nutzbare Kälte umzuwandeln in ein innovatives, technisches Konzept zu bringen und es an die spezifischen Bedürfnisse der Branche der Kühlhausbetreiber anzupassen. Und zusätzlich schonen wir die Umwelt. Das ist wirklich ein Win-Win für alle.“

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