#onedaywith Peder Berne

Rainer
Rainer Stenzenberger
Digitale Kommunikation & Social Media
Peder Berne

Der Integrator

Kurz nach halb acht morgens im schwedischen Spätsommer 2016 heißt: Sonnig und zapfig kalt. Als wir wegen unserer Verspätung mit schlechtem Gewissen und leicht fröstelnd an Peders Smart Home anklopfen, kommt er uns bereits mit Jacke und zwei Kindern entgegen: Truls, drei und Hedwig, fünf Jahre alt.

"Hey Peder! Wir wollten uns eigentlich Dein Haus ansehen, mit dem ganzen smarten Gezauber." Der Fotograf unterstreicht nickend mein Anliegen. Vor allem aber würden wir uns gern einen heißen Kaffee eingießen. Peder lacht und meint, dass wir das heute Nachmittag nachholen.

"Meine Frau muss heute etwas früher zur Arbeit. Deswegen bringe ich die Kinder zur Kita, die ist gleich über der Straße! Danach fahren wir ins Büro!"

Während er mit den Kindern die Straße entlang geht, schauen wir uns die beiden Carports vor dem Doppelhaus an - jeweils mit E.ON Ladesäule. Links parkt ein Hybridfahrzeug von Mitsubishi, auf Peders Seite steht ein BMW i3, ein reines Elektrofahrzeug.

Sorgt weltweit für Aufsehen: Das nachhaltige Hyllie

Eine halbe Stunde später befinden wir uns in seinem Büro. Wie so oft hat Peder mehrere Termine, was daran liegt, dass er für E.ON das Smart City Projekt von Hyllie leitet, das in der Branche als herausragender Vorreiter gilt. Wo andere Städte noch planen und konzeptionieren, ist Hyllie schon einige Schritte weiter. Der Bezirk in Schwedens südlichster Großstadt Malmö galt früher als sozial schwierig. Durch die Anstrengungen der drei Projektpartner E.ON, VA SYD - der lokale Ver- und Entsorger für Wasser und Abfall - und die Stadt Malmö erlebt der Stadtteil einen deutlichen Aufschwung. Heute zählt Hyllie zu den bevorzugten Wohnquartieren für junge Familien. 

Bis 2020 soll Hyllie komplett aus erneuerbaren oder recycelter Energie versorgt werden. Das Projekt fußt auf der Integration wichtiger Regelkreise, insbesondere Energie, Abfall und Mobilität. Im praktischen Leben bedeutet das beispielsweise für alle Bewohner eines Mietshauses Zugang zu Carsharing oder die smarte Steuerung ihrer Haushaltsgeräte zu Zeiten mit niedrigeren Stromkosten.

hyllie

Die haben Ibrahimovic - wir haben Peder

Peder ist auch im eigenen Unternehmen ein gefragter Mann. Die Kollegen in Berlin haben auf dem internen Transfermarkt zugeschlagen und sich die Dienste des Smart City Strategen gesichert: Seit Januar 2017 bringt Peder seine Erfahrungen in der deutschen Hauptstadt ein. Ehefrau Hanna und er fühlen sich im dicken B schon fast wie Zuhause.

" Berlin ist eine aufregende Stadt, ein Schmelztiegel von Kulturen mit einer spannenden Geschichte und ich freue mich darauf, bald ein Teil davon zu werden."

Von Ladestationen bis zu Urban Gardening

Der nächste Termin findet mit Kollegin Ann-Nina aus der Unternehmenskommunikation statt. Es geht um einen TV-Beitrag für den PR-Profi Ann-Nina fachlichen Input von Peder benötigt. Dem Abarbeiten von E-Mails und einigen Telefonaten folgt ein Termin bei der Stadtverwaltung von Malmö. Ein kapitalstarker Investor interessiert sich für ein Wohnbauprojekt in Hyllie. Das Gespräch ist vertraulich, weshalb wir Peder nicht begleiten können. Wir vereinbaren, uns am frühen Nachmittag beim Besucherzentrum in Hyllie zu treffen, wo sich eine Schulklasse angesagt hat.

Wir erkunden das Gelände zu Fuß, passieren Einkaufszentren und Wohngebiete. Beim ersten Blick wirkt Hyllie wie ein neuer, sauberer und gut geplanter Stadtteil. Beim zweiten Hinsehen fallen die vielen Elektroautos, begrünte Dächer und Ladestationen auf.

Schließlich trifft Peder ein, gemeinsam mit einer Gruppe lärmender Schüler und deren Lehrerin. Er grinst und sagt nur "Zwei Minuten."

Wir betreten das Besucherzentrum - unscheinbar von außen, mit exzellenter Technik bestückt von innen. Es dauert tatsächlich nur einen kurzen Moment, bis die Schüler verstummen. Wir stehen in einem abgedunkelten Halbrund und genießen zwei Multimediashows - die erste über Hyllie, die zweite über nachhaltiges Leben.

"Alter Schwede!", entfährt es mir angesichts wuchtiger Bilder und bassigen Sounds. Verdammt clever, die Schüler nicht mit drögen Vorträgen zu langweilen, sondern auf eine zeitgemäße Art zu unterhalten, die sie erreicht und eine halbe Stunde ihren Smartphones entreißt.

technik

Er lebt, was er lehrt

familiy
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Nach einer Besichtigung zweier Wohnkomplexe wollen wir den Abend einleiten, mehr von Peders Privatleben mitbekommen und erfahren, wie "smartes Leben" im eigenen Heim aussieht.

Peders Frau Hanna hat die Kinder bereits von der Kita abgeholt. Als wir am frühen Abend gemeinsam mit ihm das Haus betreten, springen uns Truls und Hedwig entgegen - in Badehose und Badeanzug. Bevor wir uns das Haus ansehen können, wird Peder von seinen glucksenden Kindern in den rückwärtigen Teil des Hauses gezogen. Dort finden wir uns in einem kleinen, tropischen Garten wieder, der sich über die Rückfront mehrerer Häuser erstreckt. In seiner Mitte: Ein durch Solarenergie beheizter, schmaler und langer Pool. Das grüngelbe Ensemble wirkt wie ein Miniaturdschungel mitten in der Stadt. Am Pool halten sich die Familien mehrerer Häuser auf - eine kluge Planung: Hier kann man sich nicht nur vergnügen, sondern frönt zugleich dem Nachbarschaftsleben.

Da Peder von seinen Kindern absorbiert wird, zeigt uns Gattin Hanna einige Features des von E.ON gebauten und an seine Mitarbeiter vermieteten Hauses. So ulkig wie praktisch: der im Abfluss eingebaute Häcksler für organischen Abfall. Sämtliche Küchenabfälle wandern direkt in eine Biogasanlage. 

Eine Zahl, die sich gut merken lässt: Mit der Energie von 10 Kilogramm Biomüll kann ein E-Car rund 10 Kilometer weit fahren. Solaranlagen auf dem Dach, ein Speicher im Keller, eine App auf dem Tablet, um den Energieverbrauch zu regulieren und der Carport mit Ladesäule sind allesamt nützlich - wirklich angetan hat es uns vor allem das ausgefuchste Urban Gardening Konzept. In jedem Stockwerk des Kubus finden sich entsprechende Anlagen wie beispielsweise im Wohnzimmer, wo sich zwischen der breiten Glasfront und dem Mobiliar ein großer, begehbarer Garten erstreckt.

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Wir setzen uns mit einer Tasse Kaffee vor den Pool und plaudern. Für den vielbeschäftigten Projektleiter bleibt wenig Zeit für Hobbies - was den Familienmensch Peder nicht stört. Hin und wieder bringen Hanna und er die Kinder zu den Großeltern, um zu zweit essen oder ins Theater zu gehen. Momente der Ruhe und Besinnlichkeit findet er am ehesten beim Angeln, genauer gesagt, dem Fliegenfischen.

Ob ich nicht Lust hätte, morgen mitzukommen, er habe seinen freien Tag. Um vier Uhr früh geht’s los.

"Sehr gern", antworte ich. "Nur habe ich mich gerade verhört, glaube ich. Das klang fast wie vier Uhr!"

Er lacht und mahnt, ich solle pünktlich sein. Anders als heute Morgen.

Alter Schwede!