„Treffen wir uns, wo die Luft frisch ist und die Vögel zwitschern“

Jonas Kamleh

Klingt wie ein Country-Song oder das Motto eines Reisebüros. Aber die Einladung gilt für Malmö im Süden Schwedens. Hier im Stadtteil Hyllie kann man das Stadtleben der Zukunft erleben - und ist es wahrscheinlich grüner, sauberer und ruhiger als zurzeit noch in Ihrer Stadt.

Im Jahr 2018 lebte mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in städtischen Gebieten, Tendenz steigend. Wo andere Orte noch planen und konzipieren, ist Malmö schon zwei Schritte voraus. Das Vorzeige-Stadtviertel Hyllie wurde zum globalen Vorbild für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Die drei Projektpartner E.ON, VA SYD (das lokale Wasser- und Entsorgungsunternehmen) und die Stadt Malmö haben einen Klimavertrag unterzeichnet und erfolgreich an Lösungen für intelligente und saubere Energieversorgung, Verbrauchsreduzierung, Infrastruktur und Verkehr gearbeitet. Heute ist Hyllie eine bevorzugte Wohngegend, die alles bietet, was Sie brauchen - vom Einkaufszentrum über öffentliche Schwimmbäder bis hin zu Büros. Es ist besonders beliebt bei jungen Familien. Aber Malmö hat mehr zu bieten als einfach nur ein grünes Viertel. Die Stadt will sich bis 2030 zu 100 Prozent aus Erneuerbaren versorgen.

Jonas Kamleh, ehemaliger Leiter des Bereichs Klima und natürliche Ressourcen der Stadt Malmö, war der Projektleiter - und ist ein wahrer Held. Nicht einer mit Umhang und Maske, sondern mit einer Leidenschaft für den Kampf gegen eine der größten Herausforderungen der Menschheit: den Klimawandel. So wollten wir wissen, wie es Malmö gelingt, im globalen Megatrend der Urbanisierung nachhaltig zu werden und wohin der Weg in Zukunft führen wird.

Jonas, bitte erzählen Sie uns etwas von Ihrer Stadt:

Malmö hat bereits große Fortschritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen „Smart City“ gemacht. Sie werden hier Solarmodule auf Dächern, Energiespeicher, intelligente Zähler, Ladestationen in Hausgaragen sowie Biogasanlagen sehen, die mit Kompost aus den Küchen oder Gärten unserer Mitbürger betrieben werden - das alles ist in unserer Stadt schon Realität. Für unsere Klimaschutzmaßnahmen haben wir einen ganzheitlichen Ansatz gewählt, was ein wichtiger Ausgangspunkt war. Wir suchen stets nach flexibleren und intelligenteren Energiesystemen, die eine hohe Energieeffizienz und eine bessere Nutzung der verfügbaren Energie- und Ressourcenströme ermöglichen. Daüber hinaus sollen sie die Fähigkeit zur Steuerung und Optimierung der Energienutzung mit sich bringen, um mit der Verfügbarkeit erneuerbarer Energiequellen zu harmonisieren. 

Hyllie

In Hyllie wurden eine interaktive Informationstechnologie und -visualisierung inklusive Smart Grid-Lösungen mit Energiemanagement und -speicherung entwickelt, um den Gesamtenergieverbrauch des Gebiets zu optimieren. Die intelligenten Technologien in Infrastruktur, Gebäuden und Wohnungen, kombiniert mit neuen Geschäftsmodellen, ermöglichen es uns, ressourcen- und kosteneffizient auch zukünftige Bedürfnisse zu erfüllen. In diesem Projekt wurden auch Funktionalitäten zur Produktions-, Distributions- und Verbrauchsoptimierung im Zusammenspiel mit verteilten lokalen Lösungen und zentralisierten Infrastrukturanlagen entwickelt. Wir haben in Hyllie viel gelernt, das wir nun für weitere Projekte nutzen.

Malmö

Was geschieht derzeit in Sachen Mobilität in Malmö?

Wir wissen, dass wir noch viel mehr zu tun haben. Aber wir haben mit dem Hyllie-Projekt eine Dynamik geschaffen. Die Intelligente Netze-Plattform von E.ON, die zuerst in Hyllie entwickelt und getestet wurde, wird nun in großem Umfang in ganz Malmö und auch in anderen Städten eingeführt. Ein weiterer Schwerpunkt ist es, Autos, die brummen und stinken, durch solche zu ersetzen, die nur summen. Wir wollen Mobilität ohne Emissionen und Lärm. Malmö bis 2030 ausschließlich mit erneuerbaren Energien zu betreiben, erfordert saubere Energie und intelligente Lösungen. 

Ein gutes Beispiel finden wir beim Laden von Elektrofahrzeugen mit überschüssigem Solarstrom: Die Hälfte unserer Stadtbusse fährt bereits elektrisch, und der Anteil der Elektroautos steigt bei uns schneller als im Landesdurchschnitt. Mit erneuerbarer Energie betriebene Elektrofahrzeuge werden Malmö sauberer und leiser machen - zusammen mit mehr Carsharing, Radfahren, Zufußgehen und öffentlichen Verkehrsmitteln. Mehr Elektrofahrzeuge brauchen jedoch mehr Ladestationen. Da kommt E.ON ins Spiel. Sie installieren die Ladeinfrastruktur sowie Ladestationen in Parkhäusern, damit die Leute ihre Elektrofahrzeuge auch unterwegs aufladen können.

Welche Empfehlungen würden Sie jemandem geben, der ein ähnliches Projekt in seiner Region startet?

Am Anfang müssen Sie Ihre Ziele definieren und sicherstellen, dass alle ein gemeinsames Verständnis von ihnen haben, nicht nur innerhalb Ihres Teams, sondern vor allem mit Ihren Partnern. Nur wenn alle Beteiligten das gleiche Verständnis haben, können Sie loslegen und vorankommen, indem Sie identifizieren, was verändert werden soll. Daher ist eine Analyse dessen, was zu Beginn des Prozesses geschehen soll, hilfreich. Zweitens würde ich sehr empfehlen, nach einem vertrauenswürdigen Partner zu suchen und langfristige Partnerschaften aufzubauen. Wir sind eine für beide Seiten vorteilhafte Beziehung zwischen E.ON und der Stadt Malmö eingegangen, die uns sehr geholfen hat, unseren Zielen näher zu kommen. Auch Unternehmen wie E.ON eröffnet die Zusammenarbeit mit Städten große Vorteile, z. B. zum praktischen Testen neuer Lösungen. Die gemeinsame Arbeit und Entwicklung macht alles viel einfacher und lässst einen schneller zuverlässige, nachhaltige und langfristige Lösungen für Ihre Stadt finden.

Malmö

Das könnte Ihnen auch gefallen