#onedaywith Jessica Schreiber

Autor
Felix Schmidt
Digitale Kommunikation & Social Media

Jessicas Mission: Netzstabilität

Die Musik spielt draußen

An diesem Morgen zeigt sich das Wetter in Berlin von seiner typischen Seite: Es ist kalt, dunkel und grau. Wir machen uns auf den Weg gen Osten, verlassen den Berliner Ring in Richtung Frankfurt Oder. Unser Ziel: Die Stadt Fürstenwalde in Brandenburg.

Jessica Schreiber

Dort wartet unsere Kollegin, Jessica Schreiber, bereits auf uns. Sie empfängt uns in ihrem Büro an dessen Wänden große Rollschränke mit  Technikausrüstung stehen. Meist arbeitet Jessica im  Außendienst und kümmert sich um die  Stabilität des Stromnetzes. Die 28-jährige hat nach ihrem technischen  Abitur eine Ausbildung bei E.DIS absolviert. Seit 2014 ist  sie fest beim Netzbetreiber für die Region Brandenburg beschäftigt. Bevor wir aufbrechen zeigt sie uns ihr typisches Equipment. Auf dem Schreibtisch steht ein robuster Laptop, der auch in einem Bondfilm mitspielen könnte. 

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Ein kurzer Blick auf die Uhr: „Los geht’s“. Aus einem der Schränke holt sie zwei Koffer mit Messgeräten und Werkzeug sowie ihren blauen Schutzanzug, in den spezielle Fasern eingewebt sind, die vor Stromschlägen schützen. „Das ist nur die Grundausrüstung“, erklärt sie uns. „Alles andere ist dann im Auto.“ Auf dem Parkplatz steht der Bulli – eine fahrende Mess- und Werkstation – in den sie ihr Equipment einlädt. Mittlerweile hat es die Sonne geschafft, durch die Wolken zu brechen. Wir steigen ein und fahren in Richtung Innenstadt.

Kaffee als Starthilfe

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„Wie sieht dein typischer Tagesablauf aus?“ Jessica lacht: „Ich stehe oft recht früh auf, da ist Kaffee ein Muss. Normalerweise fange ich um sieben Uhr morgens an. Meistens starte ich direkt von zu Hause aus, weil ich schon vorher die Termine bekomme. Dann fahre ich erst später ins Büro oder manchmal auch gar nicht. Ich bin viel unterwegs.“ 

Wir erreichen unseren ersten Anlaufpunkt. Eine Trafostation muss gewartet werden. Hinter der pragmatisch gehaltenen Konstruktion verbirgt sich ein ausgeklügeltes Schaltsystem, das die Umgebung mit Strom versorgt. Wir blicken auf Sicherungen und verkabelte Messinstrumente. Ganz oben befindet sich ein großer, schwarzer Hebel. Wir deuten in den Verteiler: „Der Schalter dort sieht wichtig aus!“. Jessica schmunzelt: „Ja, das ist er auch. Den müssen wir betätigen, wenn wir die Stromversorgung unterbrechen. Das muss aber vorher bei der Netzleitstelle angemeldet werden. Wenn wir Probeschaltungen machen oder Programme schreiben, mit denen wir in der Mittelspannung arbeiten, dann sind das immer unsere  Ansprechpartner.“

Gut geschützt gegen zwanzigtausend Volt

Jessica öffnet die Heckklappe des Transporters und platziert ihre Ausrüstung vor der Station. Den Schutzanzug trägt sie bereits. Das Werkzeug ist griffbereit in den dafür vorgesehenen Taschen verstaut. Bevor sie beginnt, setzt sie einen speziellen Helm auf. Das grüne Visier  endet bündig mit dem Anzug. „Wofür brauchst du den?“, wollen wir wissen. „Bei der Wartung  von Stationen arbeite ich in der Nieder- und Mittelspannung. Dabei können Lichtbögen entstehen. Durch den Helm ist man davor geschützt.“ Wir nehmen ein paar Schritte Abstand, als sie zum Schalten ansetzt.

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Netzstabilität bei Wind und Wetter

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Jessica packt ihre Ausrüstung zusammen und lädt die Kisten wieder in den Transporter. „Allet jut“, meint sie, während sie die Trafostation wieder abschließt. In dieser Woche hat sie Bereitschaftsdienst. Das heißt, sie muss vierundzwanzig Stunden am Tag verfügbar sein. Zu jeder Zeit kann ein Anruf kommen – auch, wenn winterlicher Frost den Leitungen zusetzt und für Stromausfälle sorgt. Insgesamt seien wetterbedingte Störungen dank Erdkabeln aber immer weniger geworden. Mit dem Auto unternehmen wir einen kurzen Abstecher zu einem nahegelegenen Windpark. Von hier wird der erzeugte Strom ins Netz eingespeist.  Eine kühle Brise weht uns um die Ohren, als wir den Wagen verlassen. „Hat die Energiewende eigentlich Auswirkungen auf deine Arbeit im  Netz?“, fragen wir interessiert. Jessica schüttelt den Kopf. „Wenig. Wenn wir  einen Windpark herunterfahren, stimmen wir das immer vorher ab. Dann kommt es nicht zu Schwankungen.“ Der Job verlangt ihr einiges an Flexibilität ab. Aber das gefällt Jessica gut: „Man erlebt viel und die Arbeit ist abwechslungsreich. Man muss  sich konzentrieren, technisches Wissen mitbringen und verantwortungsbewusst sein.“ Dass  sie dabei überwiegend mit männlichen  Kollegen  arbeitet, stört sie nicht: „Manchmal  hapert  es kräftetechnisch. Da fragt man einen Kollegen. Aber ansonsten ist es das gleiche Know-How“.

Heimat, Hertha und Motorradtouren

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In ihrer Heimatstadt Fürstenwalde fühlt sich Jessica sehr wohl. Hier ist sie aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nur für die  Ausbildung hat sie den Ort verlassen. „Es ist zwar relativ ruhig, aber eben nicht zu ruhig. Man kann hier auch etwas erleben, hat die schöne Landschaft vor der Tür und kommt gleichzeitig schnell nach Berlin. Deshalb möchte ich hier gar nicht großartig weg.“ Jessica wohnt in einem etwas älteren Backsteingebäude. 

Als wir nachmittags ihre Wohnung betreten, empfangen uns als erstes ihre beiden Katzen. Auch in ihrer Freizeit ist sie viel unterwegs. Ihr Team trifft sich oft direkt nach der Arbeit, um den Abend gemeinsam im Kino, in einer Bar oder beim Bowlen ausklingen zu lassen.

Im Sommer schlägt Jessicas Herz vor allem für ihre Sportmaschine von Honda. Bei den Motorradtouren sind ihre Kollegen von E.DIS oft dabei: „Jeder zweite fährt bei uns Motorrad. Da ist man auch mal ein Wochenende weg. Letzten Sommer waren wir mit dem Wohnmobil sogar in Valencia, um uns dort das letzte Rennen der Moto GP anzusehen!“ Jessica füllt neues Wasser in die Näpfe ihrer beiden flauschigen Mitbewohner. Man trifft sie übrigens auch oft bei Hertha in der Fankurve des Olympiastadions – „alleine in diesem Jahr mindestens fünf Mal“. 

"Haus und Familie. Das Standardprogramm. Und natürlich meinen Meister-Titel. Der Antrag ist schon gestellt."

Bevor wir uns wieder auf den Weg zurück ins dicke B machen, fragen wir Jessica nach ihren Wünschen und Plänen für die Zukunft. In ihrer direkten, brandenburgischen Art kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Haus und Familie. Das Standardprogramm. Und natürlich meinen Meister-Titel. Der Antrag ist schon gestellt.“ Wir drücken die Daumen.

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