#onedaywith Danny Morgan

Es werde Licht

Der Schatten des Fernsehturms erobert das Dach des Nachbarhauses, als wir Dannys Wohnung in Mitte betreten. Die kleine Dreizimmerwohnung präsentiert sich stilsicher und elegant mit einem Schuss Understatement. Bücher liegen in rechten Winkeln auf Tischen, Gläser brechen das einfallende Licht, Pflanzen färben die Optik gekonnt ein - die Handschrift von Dannys Partner Andy, einem Art Director, der in Australien beim Fernsehen gearbeitet hatte. Ich traue mich kaum, das Arrangement mit meiner Anwesenheit durcheinander zu bringen, doch dann setze ich mich auf die Couch zu Danny. Mit einer Kaffeetasse in der Hand checkt er seine Mails, danach plaudern wir über Berlin und seine Entscheidung, hierher zu ziehen. Der 42jährige aus Brighton arbeitete in Sydney in der Lichttechnik. Licht, Beleuchtung, Illumination hatten ihn schon immer fasziniert. Nach acht schönen Jahren stand fest: „Wir wollen etwas Neues ausprobieren.“ Danny fand einen Job bei E.ON, wo man ihm drei Standorte im Solution Management anbot: Großbritannien, Düsseldorf und Berlin. Die Diskussion mit Partner Andy dauerte ungefähr sieben Sekunden. Vor sechs Wochen bestiegen beide den Flieger nach Berlin. Reisen und kochen gehören zu den primären Leidenschaften des Paars. Danny hatte die deutsche Hauptstadt bereits viermal besucht, bis irgendwann der Entschluss reifte, hierher zu ziehen. Beide erkunden regelmäßig die Stadt, natürlich überwiegend am Wochenende, wegen des Fulltime Jobs bei E.ON, der Danny einiges abverlangt. Auf der Favoritenliste stehen momentan Friedrichshain und Prenzlauer Berg ganz oben. Danny deutet auf die Uhr. Während er seinen Kram zusammenpackt, frage ich ihn nach Berlin aus.

Danny Morgan
Urban und beliebt. Berlin bietet besonders viele Möglichkeiten, Energie zu sparen.

"Die kulturelle Vielfalt ist großartig, all diese Restaurants und Bars, aber was ich ganz besonders mag sind die Bezirke, die alle so unterschiedlich sind. Hinter jeder Ecke wartet eine Überraschung."

"Solution Management heißt was genau?", frage ich Danny, der seine Tasche schnappt und mir zuruft, dass wir das alles an seinem Arbeitsplatz in Potsdam besprechen werden. Dannys Körperspannung zeigt sich bei jedem Schritt. Er wirkt austrainiert, redet und telefoniert, während ich versuche, mitzuhalten (Notiz an mich: weniger rauchen!). Wir trennen uns auf, Fotograf und Autor fahren mit dem Wagen nach Potsdam, während Danny zum Alex aufbricht, um dort die S-Bahn zu nehmen. Von Tür zu Tür braucht er rund eine halbe Stunde und erreicht das ECT lange vor uns. Wir betreten einen unscheinbaren Zweckbau im Gewerbegebiet und fahren in das oberste Geschoss der E.ON Connecting Energies (ECT). Hinter einem schicken Empfang gruppieren sich Einzelbüros mit dem Charme von Schuhkartons sowie ein großer Raum mit einer riesigen Display Wand, wie man sie von Übertragungen der NASA kennt. Während wir uns umsehen, steigt vom Gelände gegenüber Rauch auf, aus einer Art künstlichem Vulkan. WTF? Die Filmstudios Babelsberg führen ihre Stuntshow vor, erklärt mir lachend Santiago,der aus Kolumbien stammt und nach einem USA-Aufenthalt bei E.ON landete. Eine ähnliche Biografie wie die von Danny, wie überhaupt die meist aus Ingenieuren bestehende Crew international zusammengesetzt ist. Bevor die Schulung beginnt, hake ich nach, woran hier gearbeitet wird. Danny lässt das Stichwort „B2B“ fallen, hier werden also Geschäftskunden beraten und zwar vor allem darin, Energie zu sparen.

Die Beratung von Geschäftskunden zählt zu Dannys Aufgaben.
Solution Management lohnt sich für Gebäude und Produktionsanlagen

"Klingt vielleicht blöd, aber wieso zum Energiesparen beraten? Grabt Ihr Euch damit nicht selbst das Wasser ab?", frage ich. Der Hauch eines ironischen Lächelns umspielt Dannys Mundwinkel, als er mir die sogenannten neuen Energiewelten erklärt. Das Geschäftsmodell, nur Stromverträge zu verkaufen, sei von gestern, heute müssen für jeden Kunden individuelle Lösungen entwickelt werden. Solution Management für maximale Energieeffizienz! Erst kürzlich konnte das Team einem Kunden aus der Automobilindustrie dabei helfen, sage und schreibe 80% seiner Energie einzusparen. Diese Größenordnung ist nicht untypisch für Produktionsbetriebe. Denn, wie Danny erklärt, agierten diese zwar sehr effizient in ihrem eigentlichen Kerngeschäft, achten aber weniger auf den Verbrauch von Strom, Licht, Heizung oder Klimaanlage. Ich setze mich in den kleinen Schulungsraum, wo Danny einer Handvoll Kollegen aus dem Vertrieb eine neu entwickelte LED-Leuchte vorführt. Sie produziert ein angenehm helles, aber nicht zu grelles Licht und spart dabei fast 50% Strom gegenüber vergleichbaren Modellen. Danny erklärt die Features geduldig und konzentriert, zeigt dabei Leidenschaft für das Produkt. Wie er überhaupt eine geradezu ansteckende Aura der Seriosität und Ruhe verkörpert. Männern wie ihm kauft man Sätze der Sorte „Wir müssen mal eben das Getriebe austauschen“ oder „Die Zombies vor den Toren der Stadt stellen kein Problem dar“ ab. Dabei geht es gar nicht darum, als weißer Ritter wahrgenommen zu werden. Money makes the world go round! „Wir bringen die Expertise mit und schauen dann gemeinsam, wie wir das beste Ergebnis erzielen können,“ sagt Danny. Dabei wird es nie langweilig. Jeder Kunde bedeutet andere Anforderungen.

Nach zwei weiteren Meetings und etlichen Telefonaten geht es zurück ins dicke B. Der Feierabend beginnt mit Joggen durch das Viertel. Andy schließt sich an, plaudert fröhlich beim Traben, während Danny eher still den Tag verarbeitet. Pause, Stretching, Lachen, eine kurze Umarmung, anschließend Cappuccinos vom Späti. Danny kehrt zurück in die Wohnung, Andy verdrückt sich ins Fitnessstudio. Eine Stunde später präsentiert sich das angerichtete Essen der beiden Hobbyköche derart deliziös, dass ich es fotografiere und kurz darauf instagramme: #foodporn! „Ihr fühlt Euch offensichtlich wohl in Berlin. Fehlt noch irgendwas zu Deinem Glück?“, frage ich Danny, während ich mein Glas Wein leere. „Vielleicht Berge. Ich klettere sehr gern. Wobei ich bereits einen Indoor Climbing Spot gefunden habe, im Wedding. Teste ich am Wochenende!“ Ich gehe noch ein paar Schritte Richtung Alexanderplatz, bis ich den Fernsehturm vor mir habe, der munter in der Nacht blinkt. Ob der auch Kunde beim ECT ist?

Danny ist ein echter Sportfan. Nur Berge fehlen ihm in Berlin.
Der Tag schließt mit einem Glas Wein und einem köstlichen Abendessen ab.
Rainer Stenzenberger
Autor
Rainer Stenzenberger
Digitale Kommunikation & Social Media