Der Klimawandel ist die wohl drängendste globale Herausforderung unserer Zeit. Bei der Reduktion von Treibhausgasen kommt die Staatengemeinschaft dennoch nicht wie geplant voran.

Woran liegt das? Ist die Menschheit nicht fähig, das Offensichtliche zu erkennen oder nur zu träge, die richtigen Schlüsse zu ziehen? Handelt die Politik mit Blick auf die Wählerstimmen zu kurzfristig? Sind der Industrie und der Wirtschaft der Umstieg von fossilen auf saubere Energien zu teuer? Was sind die Hebel?

Anita Fribergh
Autorin
Anita Fribergh
Sustainability Manager
Stefan Becker
Autor
Stefan Becker
Referent Political Affairs

Paris 2015 muss umgesetzt werden

Dass die Politik weiß, dass es kurz vor 12 ist, zeigen die Ergebnisse der vergangenen UN Klimakonferenzen, insbesondere von Paris in 2015. Hier wurden von der internationalen Staatengemeinschaft eindeutige Absichtserklärungen abgegeben, die globale Erwärmung zu verlangsamen und dafür den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen wie CO2 massiv zu reduzieren. Umgesetzt wurde seither kaum etwas, den Ankündigungen folgten quasi keine Taten.

Umfrage: Klimawandel größtes Problem

Den Menschen in Europa ist klar, dass schnellstmöglich gehandelt werden muss. Eine aktuelle Umfrage von E.ON zeigt: Für die Deutschen ist der Klimawandel die größte gesellschaftliche Herausforderung – noch vor Armut, Umweltverschmutzung und Kriegen.

See

Umweltfreundlicher Strom ist zu teuer

Ein genauerer Blick auf die aktuelle Bepreisung von Energieträgern zeigt, dass heute bestraft wird, wer klimafreundliche Energie nutzt. So hat sich beispielsweise die Mineralölsteuer seit den frühen 2000ern nicht erhöht, während die Kosten für Strom durch immer neue Steuern, Abgaben und Umlagen kontinuierlich höher werden. Bezieht man heute klimafreundlichen Strom, zahlt man für jede Kilowattstunde EEG-, KWK-, StromNEV-, Offshore-, Haftungs-, Abschalt-Umlage und Stromsteuer. Kurzum, wer heute klimafreundlichen Strom bezieht, zahlt drauf. Wer klimaschädliche Energiequellen wie Mineralöl nutzt, zahlt heute Literpreise wie vor 10 Jahren. Das ist paradox.

Handlungsfeld

1990

in Mio. t

CO2-Äq.

2014

in Mio. t

CO2-Äq.

Energiewirtschaft

466

358

Gebäude

209

119

Verkehr

163

160

Industrie

283

181

Landwirtschaft

88

72

Sonstige

39

12

Gesamtsumme

1248

902

CO2 verteuern schafft Anreize

Genau hier muss der Gesetzgeber ansetzen. Denn nur, wenn klimaschädliche Energien teurer und umweltfreundlicher Strom preiswerter wird, entsteht ein Anreiz, ihn zum Beispiel zum Heizen oder im Verkehr einzusetzen. Dann ersetzt er Öl, Benzin und Gas. Wird der CO2-Ausstoß sektorübergreifend verteuert, sind Politik, Wirtschaft und Privathaushalte gleichermaßen gewillt, ihr Handeln zu ändern. Gleiches gilt für klimaneutrale und erneuerbare Energien. Wird der Preis durch weniger und geringere Steuern, Abgaben und Umlagen gesenkt, lohnt sich der Wechsel.

E.ON fordert sektorübergreifende CO2-Bepreisung

E.ON fordert schon lange eine sektorübergreifende CO2-Bepreisung. Denn erst diese setzt die erforderlichen Rahmenbedingungen.

Vor diesem Hintergrund haben wir in dieser Woche auch den gemeinsamen Aufruf zur CO2-Bepreisung von 16 Unternehmen unterzeichnet. Was uns eint ist die Überzeugung, dass mehr für den Klimaschutz getan werden muss und dass als marktwirtschaftliches Instrument eine CO2-Bepreisung den richtigen Anreiz setzt. Wir wollen die Emissionen von klimaschädlichem CO2 reduzieren, da ist es doch sinnvoll den Einsatz von fossilen Brennstoffen in allen Sektoren zu verteuern. Dabei sollten auch ungerechtfertigte Preisverzerrungen z.B. zwischen Erdgas, Heizöl oder in Wärmepumpen eingesetztem Strom ausgeglichen werden.

Und sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen gegeben, kann die deutsche Industrie und Wirtschaft ihr volles Potenzial entfalten. Denn viele Unternehmen sind bereits vorbereitet. Auch wir bei E.ON. Wir haben eine klare Nachhaltigkeitsstrategie mit konkreten Zielsetzungen.

Umfrageergebnisse

Quelle: Anteil verschiedener Sektoren an den energiebedingten Treibhausgasemissionen in Deutschland im Jahr 2014 (Daten: [UBA16b])

Um einen wirkungsvollen Beitrag leisten zu können, haben wir 2017 eine neue Klimastrategie verabschiedet. Unser konkretes Ziel: Wir wollen bis 2030 unseren absoluten CO2-Fußabdruck um 30 Prozent gegenüber 2016 reduzieren. Zusätzlich arbeiten wir daran, die CO2-Intensität des von uns verkauften Stroms um 50 Prozent zu verringern. Wir wissen, dass es noch viel zu tun gibt. Deshalb werden wir bei E.ON auch in Zukunft nachhaltiges Handeln und Denken vorantreiben und unsere Kunden mit innovativen Ideen für die neue Energiewelt begeistern.

E.ON-Chef Johannes Teyssen

Johannes Teyssen

Auch hat sich der gesamte E.ON-Vorstand zu den Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung, mit dem Schwerpunkt auf Ziel Nr. 7 "Erschwingliche und saubere Energie", Ziel Nr. 11 "Nachhaltige Städte und Gemeinden“ und Ziel Nr. 13 "Klimaschutz" bekannt. Konkret bedeutet dies, dass wir CO2 und andere Treibhausgase reduzieren wollen, indem wir Emissionen durch höhere Effizienz vermeiden, erneuerbare Energie einsetzen und unsere intelligenten Netze weiterentwickeln und ausbauen, um die flächendeckende Erzeugung volatiler dezentraler grüner Energie zu ermöglichen.

Grundsätzlich steht unser gesamtes Handeln und Tun vor der Vorgabe, wie wir die Energiewelt dekarbonisieren und Emissionen bei uns und unseren Kunden bestmöglich reduzieren oder ganz vermeiden können. Dafür setzen wir uns ein. Eine sektorübergreifende CO2-Bepreisung ist aus unserer Sicht ein wichtiges politisches Signal und eine notwendige regulatorische Weichenstellung, die nicht nur unsere Maßnahmen unterstützt, sondern die gesamte Wirtschaft und sich damit direkt auf den Klimaschutz auswirkt.

Win-win-Situation

Am Ende hat der Staat so die Möglichkeit, die im klimaneutralen Energiesektor verloren gegangenen Einnahmen durch Mehreinnahmen bei klimaschädlichen Energieträgern zu kompensieren. Und Endverbraucher wie Industrie können durch den Wechsel Geld einsparen. So steht auch bei ihnen unter dem Strich am Ende ein Plus. Es ist an der Zeit, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Die COP24 ist der richtige Zeitpunkt dazu.

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