Ein Interview mit Luis Hernandez

Herr Hernandez, Sie sind bei E.ON für Innovationen im Bereich dezentraler Energiesysteme verantwortlich. Woran arbeiten Sie genau?

Mein Team und ich glauben, dass die neue Energiewelt aus Millionen von dezentralen Energiequellen bestehen wird. Wir beschäftigen uns dabei vor allem mit zwei Fragen.

Erstens: Wie fördern wir das Engagement der Bürger für die lokale Energiewende? Dabei geht es vor allem darum Gemeinden die Chance zu bieten, die Energiewende so schnell wie möglich voranzutreiben.

Und zweitens: Wie identifizieren wir alle technischen und sonstigen Hürden und entwickeln Ideen, die ihnen den Weg zu mehr Energiefreiheit erleichtern? So begann auch unser Projekt im schwedischen Dorf Simris. Wir wollten beweisen, dass wir gemeinsam mit der örtlichen Gemeinde ein System komplett mit grüner Energie betreiben können.

Luis Hernandez
Simris Windrad und Solarfeld

Wie sind die Dinge seit dem Pilotprojekt gelaufen?

In der Pilotphase haben wie viel gelernt. Durch immer mehr dezentrale erneuerbare Energiequellen können wir diese mit bis zu 90 prozentigen Einsparungen an das Netz anschließen. In der zweiten Phase des Simris-Projekts, das von der EU im Rahmen des Interflex-Programms unterstützt wird, konzentrierten wir uns auf das Engagement der Gemeinde und der Bürger. Ohne die Unterstützung der Menschen würde die Energiewende viel länger dauern. Seit Oktober 2017 sind die 200 Haushalte von Simris in jeder fünften Woche autark und somit komplett vom Stromnetz getrennt. Eine Peer-to-Peer-Marktplattform steigert die Beteiligung der Verbraucher. Mit Tools zur Leistungsanalyse und Maschine Learning maximieren wir den Nutzen der Flexibilität.

Wie hat Ihr Projekt das Leben der Bürger von Simris verändert?

Wir ermöglichen den Menschen in Simris zu Prosumern zu werden, indem sie selbst über ihre Energiequellen entscheiden und einen aktiven Beitrag zum lokalen Energienetz leisten. Das Bewusstsein der Bürger hat während des Projekts weiter zugenommen. Sie sind stolz darauf, einen aktiven Beitrag zu einem Projekt zu leisten, das es Kunden ermöglicht, den Übergang zu einem nachhaltigen Energiesystem zu beschleunigen.

Warum wurde Simris als Standort für E.ONs Pilot ausgewählt?

Wir zeigen in Simris, dass es möglich ist, ein Dorf zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzustellen. Simris liegt in einer der windigsten und sonnigsten Regionen Schwedens und es gab bereits ein Windrad und einen Solarpark. Zudem haben uns die lokalen Behörden unterstützt. Aber es war die Begeisterung der Einwohner, die uns schließlich davon überzeugt hat, dieses Projekt in Simris zu starten.

Was kommt als nächstes für Simris?

Im Mai haben wir eine zweite Batterie in Betrieb genommen und das Microgrid hat bereits erfolgreich im Inselmodus funktioniert. Nun prüfen wir, wie wir Simris in Sachen IT-Sicherheit weiterentwickeln und zu einem Vorreiter in Europa machen können. Außerdem arbeiten wir daran, ähnliche Lösungen in anderen europäischen Ländern zu installieren.

Solarpanel Simris

Das könnte Sie auch interessieren