Bevor man dahin findet, wo die Zukunft der Mobilität sein soll, präsentiert sich die Gegenwart erst mal noch in beeindruckender Dimension. Wir sind auf dem größten Autohof Europas, neben der Autobahn 3 zwischen Würzburg und Nürnberg, Abfahrt 76 bei Geiselwind. Hier fließt nicht nur aus 50 Säulen Sprit, es gibt Konzert- und Sportgelände, eine Autobahnkirche, die drei Fast-Food Restaurants die einem als erstes einfallen und ein Restaurant mit eigener Metzgerei.

Alexander Ihl
Autor
Alexander Ihl
Oldtimer
Oldtimer

Uns interessiert aber vor Allem die neue ultraschnelle E.ON-Drive Ladestation für Elektroautos. Als eines der größten Energieunternehmen Europas übernimmt E.ON eine führende Rolle beim Übergang in das neue Zeitalter der Mobilität. In Geiselwind steht die erste Station dieser Art, viele weitere sollen folgen.
Hier sind wir mit Michael M. Richardson verabredet, der die Akkus seines Wagens aufladen will: Ein MG MGA von 1956, umgebaut auf Elektroantrieb von seiner eigenen Firma Retro-EV aus Finnland.

Der gebürtige Amerikaner kommt gerade von einer Classic-Car-Show in Birmingham. Während er hier und da noch poliert, führt er uns sein Werk vor.
Der Wagen ist auf den ersten Blick nicht von einem MG mit Verbrennungsmotor zu unterscheiden. Auf den zweiten auch nicht. Die Herausforderung an die Ingenieure, erklärt uns Richardson, lautet: Wie würde der MGA aussehen, wenn die komplette Antriebstechnologie von heute schon damals zur Verfügung gestanden hätte, als er 1959 in Birmingham gebaut wurde? Nach diesem Prinzip wird jedes Detail gedacht und gestaltet. Zum Beispiel sein Lieblingsdetail, der James Bond Front-Grill, den Richardson jetzt mit Hilfe einer eleganten Scharnier-Mechanik aufklappt. Darunter liegt ein CHAdeMO Lade-Eingang mit dem der MGA in gut 20 min genug Energie für 150km tanken kann. Neben diesem System hat der MG noch eine weitere Ladeoption - einen T2-AC 230 Volt unter der Klappe am Heck, wo in der Originalversion der Tankstutzen zu finden war.

Oldtimer

 

 

Wir machen es uns auf der Holzbank neben der modern und clean gestalteten Station gemütlich, die einen schönen Kontrast mit dem Klassiker und seinem englisch grünen Lack, Chrom, Holz und Leder bildet. Das Konzept der E.ON-Drive Stationen ist modular und dadurch skalierbar. Zukünftig sollen modern gestaltete Lounges mit Bistro und Platz zum Arbeiten das Warten noch angenehmer machen.

Die 4 modellflexiblen Säulen in Geiselwind gehören mit 150 KW Kapazität, und ab Ende 2018 sogar 350 KW zu den leistungsstärksten überhaupt und sind jetzt schon für zukünftige Ansprüche bereit.

Oldtimer

Eine noble Form des Upcycling

Retro-EV versteht sich als eine Firma, die eine noble Form des Upcycling betreibt, beschreibt Richardson seine Vision. Das soll kein Protest sein gegen Verbrennungsmotoren, erzählt Richardson, sondern eine Hommage an die rollenden Skulpturen der 50er, 60er und 70er. Die ideale Verbindung zwischen der Design- und Ingenieurskunst dieser Ära und den technischen Möglichkeiten von heute. Er schwärmt vom besondern Fahrgefühl seiner elektrifizierten Klassiker: Beim Fahren gehe es um den Wind im Gesicht, die Geräusche und Gerüche der Umgebung, das direkt Feedback des Lenkrads und die wesentlichen Informationen auf ein paar simplen analogen Instrumenten. Ein Genussmittel quasi, das im Übrigen eine sehr zeitgemäße Interpretation von Luxus darstellt. Der Trend gehe weg von der Anhäufung von Besitz hin zu besonderen Erlebnissen, es geht nicht mehr darum, seinem Umfeld und der Umwelt den eigenen Erfolg unsubtil aufzudrängen sondern um Qualität, um Verantwortung für Umwelt und Mitmenschen, und darum, die schönen Dinge des Lebens zu teilen. Man merkt Richardson die Begeisterung in all seinen Ausführungen, Anekdoten und Theorien an.

Auch die Antwort auf den Einwand vieler Kritiker, dass zum Fahren mit Strom eben auch die nicht immer saubere Produktion dieser Energie gehört, zeigt, dass Richardson mit seiner Firma groß und langfristig denkt: Ja, das erst mal und im Moment richtig. Aber: Wir, die Gesellschaft, unsere Regierungen und Unternehmen können etwas daran ändern. Wir können sagen: Lasst uns darauf hin arbeiten, dass wir auch beim Produzieren der Energie nachhaltig sind und als Ziel setzen, mit 100% grünen Strom fahren. Wir können das schaffen.

Vor diesem Hintergrund schätzt Richardson auch das Engagement von E.ON Drive. Wenn die großen Player des Energiesektors sagen: Okay, wir bekennen uns zur Elektromobilität. Wir glauben daran und wir setzen alles daran, daraus ein Geschäftsmodell zu machen, von dem langfristig alle mehr profitieren, als wenn wir einfach so weitermachen wie bisher.

Oldtimer

Das könnte Sie auch interessieren