#onedaywith René Karwath

Ein Beruf, eine Berufung und immer Teamwork

Zusammenarbeit ist bei René Karwath jederzeit gefragt

Dienstag Abend, halb Acht. Ich komme aus dem sonnigen Berlin und öffne am Bahnhof in Helmstedt die Tür des Zugwaggons. Es empfängt mich: Kälte, grauer Himmel und Nieselregen. Das ist kein gutes Omen, denn morgen bin ich mit René Karwath und seinen Bienen verabredet. Die stehen in einem Umspannwerk am Nordrand des Harzes, eine Stunde Autofahrt von Helmstedt entfernt.

Am nächsten Morgen folgt aber eine positive Überraschung: Die Sonne scheint von einem blauen Himmel und ich kann zu Fuß vom Hotel zu den Kollegen bei Avacon gehen, die mir für den Tag ein Firmenauto leihen. Mit dem geht es erst einmal zum eigentlichen Job von René, ein paar Kilometer raus aus Helmstedt. René ist in seinem Hauptberuf Sicherheitsingenieur und Baustellenkoordinator nach der Baustellenverordnung (SiGeKo) und für die Sicherheit auf bis zu zehn Baustellen im Hochspannungsnetz von Avacon , für die Region West, zuständig. Die reicht vom Süden Hannovers bis an die bayerische Grenze hinter Frankfurt. Meistens sind das Umspannwerke, die erneuert oder erweitert werden, denn es kommen immer noch viele Wind- und Solarparks im Avacon-Netz dazu.

Alexander Ihl
Autor
Alexander Ihl
Pressesprecher, E.ON SE
René im Auto
Onedaywith

„Ich achte schon im Planungsprozess darauf, dass wir Umspannwerke nicht nur technisch ordentlich umbauen, sondern auch sicher“, beschreibt René selbst seinen Job in einem Satz. „Es arbeiten ja unterschiedliche Handwerksfirmen auf so einer Baustelle, und für alle bin ich ein wichtiger Ansprechpartner in Sicherheitsfragen.“ Er hat auch gleich ein Beispiel aus der Praxis parat: „Wenn Gerüste aufgestellt werden, dann halten die nicht immer auch eine Palette Steine aus – sollten sie auf unseren Baustellen aber. Denn dann können unterschiedliche Handwerker alle dasselbe Gerüst nutzen.“

Meine Frage danach, wieviel Zeit René im Büro verbringt, beantwortet er mit: „Ein Drittel Büro, zwei Drittel auf den Baustellen.“ Wobei auch immer wieder übergeordnete Aufgaben auf ihn warten: „Mit Projektleitern von Baustellen führe ich Workshops zu Sicherheits- und Gesundheitsfragen durch, nicht nur bei Avacon, sondern auch für unsere Partnerfirmen.“

Einen kleinen Eindruck davon bekommen wir schon am Tor des Umspannwerkes. Die Sicherheitseinweisung ist gründlich, und Felix, der heute die Fotos macht, und ich werden mit Helmen und Sicherheitsschuhen ausgerüstet. Wir treffen Hans-Dieter Bültemann, den Projektleiter für diese Baustelle, am Umspannwerk Helmstedt. 

Bei der Einweisung für unseren Besuch auf der Baustelle ist erst einmal von Absperrungen, verschiedenfarbigen Ketten und Sicherheitsabständen die Rede. „Wir gehen hier an 110 kV-Schaltfeldern vorbei, da müssen wir einen Sicherheitsabstand von mindestens drei Metern einhalten. Darunter dürfen wir nicht, denn spätestens bei 1,10 Meter ist es Glücksache, ob ein Lichtbogen überspringt. Und der kann dich umbringen“, erklärt René trocken. Wir lernen, dass die schwarz-gelbe Absperrkette die ist, vor der wir den größten Respekt haben sollten. „Die ist wie eine Mauer zu sehen, denn dahinter befinden sich fast immer elektrische Gefahren“, weiß er.

Wir gehen über die Baustelle und René und Hans-Dieter schauen sich die Arbeitsbereiche genau an. Ist alles richtig abgesichert? Gibt es irgendwo Stellen, an denen eine Gefahr für die Gesundheit besteht? Dabei wird viel gefachsimpelt: Über defekte Querregler, die ausgetauscht werden müssen, bis hin zu Lichtwellenleitern, die vom so genannten Wartengebäude zu den einzelnen Relaishäusern führen. Ein, zwei Kleinigkeiten fallen René beim Rundgang auf, aber: „Das ist eine tiptop abgesicherte Baustelle“, sagt er.

Umspannwerk
Onedaywith René Karwath

Nach rund zwei Stunden verlassen wir das Umspannwerk und unsere Fahrt führt uns nachmittags durch viele kleine Städte und Dörfer, die ich von früher kenne. Denn bei Helmstedt habe ich vor fünfzehn Jahren eine Weile gewohnt. René fährt vor, und am Ziel in Wasserleben führt er uns schnell wieder aus dem Ort heraus, in dem viele alte Backsteingebäude stehen. Am Ende eines Feldweges haben wir das Umspannwerk erreicht, unschwer zu erkennen an den Transformatoren, Schaltern und Leitungen. 

„Ich melde uns mal an“, sagt René und verschwindet hinter dem grün gestrichenen Tor, hinter dem man schon die Kästen mit den Bienen sieht. „Beuten“ sagt der Imker dazu. Die Netzleitstelle muss immer darüber informiert werden, wenn man ein Umspannwerk betritt und es wieder verlässt. Und René ist da vollkommen kompromisslos – das ist ja schließlich auch sein Job.

Im Frühjahr 2018 hat René die Imkerei für sich entdeckt, das Hobby ist also noch relativ frisch. „Vor fast zwei Jahren hatte mein jüngster Sohn einen Imker in der Schule zu Besuch. Dann kam er nach Hause und wollte auch Bienen haben“. Aber auch der Avacon Personalvorstand, Frank Aigner, wollte gerne die Imkerei im Netzgebiet fördern. „Die Idee kam also bei mir von zwei Seiten: Von der privaten genauso wie von der dienstlichen“, erklärt René. Nur wenn man Beuten in Umspannwerken aufstellen möchte, kann das nicht irgendjemand sein. Denn hier dürfen nur Elektrofachkräfte oder entsprechend eingewiesene Personen hinein.

„Das hat dann ein wenig in meinem Kopf gearbeitet, ich habe viel gegoogelt, einen Imkerkurs hier in der Nähe, in Wernigerode, entdeckt und dann ging es los“, sagt René und öffnet eine der Beuten – aber nicht ohne vorher eine Mischung aus Nelkenöl und Wasser versprüht zu haben, die die Bienen beruhigen soll. Das was er hier jetzt macht, nennt er Schwarmkontrolle. Und er schaut, wie viel Honig in den Waben der Honigräume ist – mittlerweile sind die alle schon ziemlich voll und können in den nächsten Tage herausgenommen und geschleudert werden. Dann fließt der Honig aus der Schleuder durch ein Doppelsieb, wird gerührt und später in Glaser abgefüllt. Ein paar davon hat René uns sogar als Kostprobe mitgebracht.

Onedaywith René Karwath
Onedaywith

Nur sechs Wochen lebt eine Biene im Sommer. „Ein Drittel der Bienen sind Flugbienen und sammeln die Pollen und den Nektar, zwei Drittel der Bienen leben im Bienenstock“, erklärt René. Sieben Bienenvölker betreut er, immer nach seinem eigentlichen Job. Vier hier im Umspannwerk, zwei auf einem Grundstück in Wernigerode und eins da, wo sein Büro ist, in Salzgitter. Allein die vier Völker im Umspannwerk umfassen rund 120.000 Bienen, lernen wir.

Gut eine Stunde ist René hier mit seinen Bienen beschäftigt, dann setzt er die unterschiedlichen Teile der Beute wieder aufeinander und zieht seine Schutzkleidung aus. Denn hier, an den Bienenstöcken, geht es nicht um Hochspannung und Lichtbögen, sondern darum, nicht gestochen zu werden. „Die für die Imkerei gezüchteten Arten sind aber in aller Regel recht friedlich“, betont René. Das können wir bestätigen, denn wir waren auch ziemlich nah an den Bienenstöcken und keiner von uns hat einen Stich abbekommen.

René sammelt seine Imkerausstattung zusammen, schickt uns schon einmal vom Gelände und meldet uns bei der Leitstelle ab. Dann schließt sich das Tor zum Umspannwerk und ein spannender Tag geht für mich und Felix zu Ende. Der Wettergott hat es gut mit uns gemeint und wir haben viel gelernt: Vor allem über Teamwork, bei den Menschen genauso wie bei den Bienen. Vielleicht verbindet diese Leidenschaft zur Zusammenarbeit die beiden Welten bei René Karwath – dem Imker der Bienen im Umspannwerk.