Mittendrin

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Franz Völkl

Franz Völkl vom Bayernwerk Natur sorgt dafür, dass im Münchener Werksviertel die dezentrale Energiewende ein Erfolg wird.

Alexander Zirkel
Autor
Alexander Zirkel
Digitale Kommunikation, E.ON SE

Der Lärm dröhnt weithin hörbar von der Baustelle. Bagger, Kräne, Raupen. Das Werksviertel am Münchener Ostbahnhof wird gerade ziemlich umgekrempelt. Mittendrin: Franz Völkl. Auf Gedeih und Verderb – seine Worte. Nur in diesem einen Moment lässt er sich anmerken, wie groß die Aufgabe ist, die er stemmen muss.

Franz kümmert sich als Projektleiter um Strom und Wärme auf dem Gelände, das größer ist als ein Dutzend Fußballfelder. Mit Wohnungen und Hotels, mit Büros und Bars, mit Kunst und Kultur. Als Co-Geschäftsführer der eigens gegründeten werkkraft laufen bei ihm alle Fäden zusammen. Mehr als 6 Millionen Euro werden bis 2019 in das Energiesystem investiert – eine echte Herausforderung für Franz.

Franz Völkl

Eigentlich arbeitet Franz Völkl beim Bayernwerk Natur. In seinem Büro war er zuletzt vor zwei Wochen. Ständig hastet er von Baustelle zu Baustelle. Sechs, sieben Projekte verteilt in ganz Bayern managt er gerade parallel. Hotels, Krankenhäuser, Fabriken – alle wollen ihre eigene Energie produzieren.

Beim Pförtner, Herrn Beyer, erkundigt sich Franz an diesem Morgen nach den Neuigkeiten. Der ist immer bestens informiert und hat auch gleich noch Klatsch und Tratsch aus der Gegend parat. Mit mehr als 100 Beteiligten hat Franz in den vergangenen Wochen und Monaten gesprochen, Chancen und Risiken kalkuliert, Ideen und Pläne abgewogen, Konzepte und Präsentationen entwickelt, Projektpartner zusammengebracht. Alles für ein Ziel: Das Werksviertel nachhaltig mit dezentraler, also unmittelbar vor Ort erzeugter, Energie zu versorgen.

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Die Baubesprechung steht an. In kleiner Runde beugen sich Franz und die anderen über Pläne und Projektskizzen. Der Zeitplan ist eng, doch die Stimmung am Besprechungstisch ist entspannt. Eine gute Atmosphäre sei wichtig, gibt Franz später zu Protokoll. Damit es auf der Baustelle läuft. Die Diskussion dreht sich um Malerarbeiten, Brandschutz, den Verlauf von Stromleitungen. „Einzelne Gebäude mit eigener Energie zu versorgen, ist für uns Alltag“, erklärt er. Aber ein ganzes Stadtquartier? Das ist etwas Besonderes.

Das ist die lokale Energiewende - live und in Farbe.

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Vor wenigen Tagen wurde das Herzstück für die Energieversorgung geliefert: Zwei Blockheizkraftwerke (BHKW), die einmal rund 1.000 Abnahmestellen in 13 Gebäuden versorgen werden. Dass die jeweils neun Tonnen schweren Anlagen zentimetergenau in die Kellerräume eingebracht wurden, darum hatte sich Eric Frank gekümmert. Franz trifft ihn im Keller von Werk 1. Lautes Bohren aus dem Nachbarraum begleitet ihr Gespräch. Die Räume für die Verteil-Technik werden gerade erst hergerichtet.

Franz Völkl
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Die BHKW stehen jungfräulich nebeneinander. Franz‘ Kollegen vom Bayernwerk Natur werden sie an die Strom- und Wärmeleitungen anschließen. Die Maschinen laufen dann – so der Plan – für rund zehn Jahre. Die BHKW sind extrem effizient: Die zugeführte Energie kann fast vollständig für die Versorgung mit Strom sowie Wärme und Kühlung genutzt werden. Der Wirkungsgrad beträgt 90 Prozent. Zum Vergleich: Bei großen Kohlekraftwerken liegt der Wert um die 40 Prozent.

Effizienz sei eine wichtige Säule der neuen Energiewelt, sagt Franz. „Das ist die lokale Energiewende – live und in Farbe.“ Über den Bau von Solar- oder Kleinwindanlagen im Viertel werde nachgedacht. Aber viele Gebäude entstehen erst noch. So muss das warten.

Die helle Nachmittagssonne brennt auf das Gelände. Die Luft schwirrt. Zeit für eine kurze Auszeit im Biergarten um die Ecke. Apfelschorle im Schatten der Bäume. Der kleine Park ist ein Stück Natur inmitten der bayerischen Hauptstadt. Die Natur – sie liegt Franz am Herzen.

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An der Uni wollten seine Kommilitonen später mal Autos bauen. Er aber spezialisierte sich auf Energie- und Prozesstechnik, heuerte beim Bayernwerk an und kümmerte sich zunächst um Biomasse-Energie. Die erlebte um 2011 – nach dem schrecklichen Unglück von Fukushima und der Energiewende in Deutschland – in Bayern einen Boom. Ein Projekt jagte das andere. Die Chance für Franz, sich im Unternehmen einen Namen zu machen.

Franz schreckt sich nicht vor Herausforderungen. Wer es mit Anfang 30 bis zum Geschäftsführer gebracht hat, lässt nicht Punkt sechs Uhr den Bleistift fallen. „Oft habe ich mitten in der Nacht eine neue Idee, um ein Problem zu lösen“, gibt er zu. Denn es geht ihm um die Sache: Er glaubt an die neue Energiewelt. Sie aufzubauen, das treibt ihn an. So richtig abschalten? Geht nur im Urlaub. Da bleibt das Handy konsequent aus.

Zurück im Werksviertel fährt noch immer ein Bagger Bauschutt von einem Ende der Baustelle zum anderen. Neues wagen, Altes bewahren – unter dem Motto wird das Werksviertel umgestaltet. Darum kümmert sich Franz Klaus, der zugleich auch der Partner von Franz Völkl als Geschäftsführer der werkkraft ist.

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Bis in die 1990er Jahre habe sich hier alles um Kartoffeln gedreht, erklärt er. Noch heute sind alte Lagerhallen und Produktionsanlagen der damaligen Pfanni-Werke für Knödel und Püree allgegenwertig. Eisenbahnschienen führen über das Gelände. Kanäle im Boden zeugen davon, wie einstmals Kartoffeln in einer Art Wasserrutsche über das Gelände transportiert wurden.

Später siedelten sich Clubs und Diskotheken hier an. Das Areal war geprägt von Künstlern und ihren Ateliers. Viele sind noch immer hier. Im Werk 1 hat über dem BHKW-Keller neben einem schicken neuen Hipster-Café eine auch Table-Dance-Bar ihr zu Hause. Das Werksviertel ist ein lebendiger Ort, und so soll es bleiben. Die beiden Namensvetter vertiefen sich in die Planungsunterlagen.

Franz Völkl

Im Werksviertel arbeiten alle an der Zukunft. So viel ist klar. Franz Völkl ist dabei. Mittendrin.

Der Besuch bei Franz Völkl im Werksviertel fand im September 2016 statt. Der Artikel erschien zunächst auf dem Berlin-Blog von E.ON.

Fotos: Irmgard Sinnesbichler

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