Instawind in Texas

Groß, gigantisch, Roscoe

“Don’t mess with Texas!” Das antwortete mein texanischer Kollege Josh, als wir über das weltgrößte Rattlesnake Roundup in Sweetwater sprachen, seiner Heimatstadt ganz in der Nähe unseres größten Onshore Windparks Roscoe.

„Don’t mess with Texas!“ - Das offizielle Motto des Bundesstaates verkörpert weniger Streitlust, als vielmehr Geradlinigkeit und Konsequenz. Texaner nehmen ihre Sache Ernst und was auf die USA zutrifft, gilt in Texas doppelt - hier macht man keine halben Sachen. Kein Zufall, dass unser Windpark in Roscoe bei seiner Erstellung im Jahr 2008 der weltgrößte war. Inzwischen musste er seinen Spitzenplatz an einen chinesischen Park abgeben, aber mit seinen mehr als 600 Windturbinen zählt er noch immer zu den Champions und ist bei weitem größer als jeder europäische Windpark auf dem Land.

Der interessante Standort und die schiere Größe machte auch einige einflussreiche Instagramer, sogenannte *Influencer neugierig, mit denen wir eine gemeinsame Reise planten. Gemeinsam mit unserem Partner visumate machten wir uns also mit den vier Instagramern Jasmin, Max, Konrad und Helin auf den Weg nach Austin, der Hauptstadt von Texas.

Rainer
Autor
Rainer Stenzeberger
Digitale Kommunikation und Social Media

Foto und Titelbild: Konrad Langer

Fotos: Konrad Langer

Vorstände, Baumwolle und Hunderte Turbinen

Longhorns, Ölbohrtürme und Monstertrucks zählen zu den typischen Klischees von Texas. In manchen Landesteilen spielen sie noch immer eine große Rolle - in Austin schon lange nicht mehr. Die Stadt gilt als Silicon Valley des Südens, wächst rasant und zieht aufgrund ihrer nachhaltigen Konzepte junge Menschen aus den ganzen USA an. Nicht zufällig befindet sich in Austin eines der drei USA-Büros von E.ON. Eine Tour mit dem E-Bike und eine Besichtigung der nagelneuen, nachhaltig erbauten und betriebenen Bibliothek der Stadt rundete das Bild des für US-Verhältnisse grünen Austins ab. Am Vorabend des Besuches von Roscoe trafen wir uns zu einem Kamingespräch mit E.ON Verantwortlichen für dieses Thema: Vorstand Leo Birnbaum, Erneuerbaren-Chefin Anja-Isabel Dotzenrath und Silvia Ortin Rios, bei uns für Onshore Wind in den USA zuständig, stellten sich den vielen Fragen unserer Instagramer.

In den frühen Morgenstunden brachen wir zu einer langen Fahrt nach Roscoe auf - einer Kleinstadt im Norden von Texas. Mit jeder Meile von Austin weg nahm die Dichte an Cowboyhüten zu. Auch unser Kollege Jason Grizzle, der uns in Roscoe begrüßte und durch den Park leitete, trug zu Beginn einen Hut (später wechselten wir alle zu Schutzhelmen). Obwohl wir Roscoe bereits von Fotos kannten, staunten wir nicht schlecht, als wir inmitten der gewaltigen Dimensionen mehrerer Windparks standen. Mehr als 1200 Windturbinen befinden sich allein rund um die Kleinstadt Roscoe, bis zum Horizont erkennt man die sich drehenden Windräder. Unser Windpark, der größte von allen, erzeugt dabei so viel Energie, dass davon rechnerisch 230.000 Haushalte mit Strom versorgt werden können.

Besonders charmant empfing uns die fast gleißende Optik des Untergrunds. Konnten die Turbinen auf schneebedeckten Feldern stehen, während wir bei 30 Grad im Schatten schwitzten? Das flächendeckende Weiß stammt von riesigen Baumwollfeldern, die man hier im Norden von Texas überall findet. Klares Win-win für die lokale Bevölkerung der strukturschwachen Region: Viele arbeiten als Servicetechniker für Firmen wie E.ON - so auch Kollege Josh, mit dem ich eine Weile in seinem Pick-up mitfuhr. Er ist verheiratet mit zwei kleinen Kindern und glücklich, dass er vor Ort einen Job gefunden hat. Denn nirgends würde er lieber leben als hier im Norden von Texas. Laid back, günstige Preise für ein kleines Haus, Natur und Sonne satt. Freunde von ihm besitzen Land, auf denen eine Windturbine steht - ein schönes, jährliches Zusatzeinkommen. 

Erneuerbare brauchen Speicher – wie Texas Waves

Roscoe ist für E.ON nicht nur wegen seiner Windparks von Bedeutung - hier sind auch Technologien im Einsatz, die als Schlüssel für das Gelingen der Energiewende gelten: Große Batteriespeicher. Es lässt sich nicht wegdiskutieren: Erneuerbare Energien liefern nicht 24 Stunden am Tag 365 Tage im Jahr Energie. Dafür aber produzieren sie teilweise so viel Strom, dass man ihn gerne zu anderen Zeiten - bei Windstille oder nachts beispielsweise - nutzen würde. Effiziente Speichertechnologien werden dringend benötigt. In Roscoe ist bereits eine hochmoderne, ganz frisch in Betrieb genommene Anlage im Einsatz: das Texas Waves Projekt, das bei den Instagramern auf großes Interesse stieß. Optisch eher unspektakulär konnten wir im Herz der Anlage einen Blick in die Zukunft werfen: auf 850 hochleistungsfähige Lithium-Ionen Batterien.

Die Instagramer zeigten sich von unserem langen Tag in Roscoe beeindruckt - von E.ONs Anstrengungen und Leistungsfähigkeit bei der Windenergie insgesamt wie auch von den gewaltigen Ausmaßen unseres Windparks in Roscoe,  wunderschön eingebettet in riesigen Baumwollfeldern. Bis in die Nacht wurden Bilder geschossen und Max‘ Drohne in den Himmel geschickt. 

Foto: Max Leitner

Texas Waves

Foto: Max Leitner

Fazit

An Texas zeigt sich in einem Bundesstaat der Strukturwandel in der Energiewirtschaft besonders spannend und kontrastreich. Auch heute spielen fossile Brennstoffe noch eine große Rolle - die Erneuerbaren holen gewaltig auf. Das zeigt sich schon allein an unseren Projekten, Roscoe, Bruenings Breeze, Texas Wave. Die Amerikaner gehen dabei pragmatisch und ideologiefrei vor. It's all about business. Und ich wünschte mir, dass wir nicht nur in der Energiepolitik so lässig und "laid back" wären wie die Texaner, sondern auch bei anderen heiligen Kühen.
Als ich zum Abschied die Autotür von Josh's Pick-up gegen die Bordsteinkante schrammte, verzog ich mitleidig das Gesicht angesichts des Kratzers. Er lachte nur. Das ist ein Arbeitspferd, dafür werden die gebaut!
Texas ;-)

*Was sind eigentlich Influencer?

Influencer gibt es, seit Menschen kommunizieren. Früher nannte man sie Multiplikatoren, Meinungsmacher oder Trendsetter - im Netz eben Influencer: Menschen, die einen großen Einfluss auf ihre Fans und Follower haben. Vor allem zwei Plattformen gelten als besonders geeignet für Influencer Marketing: YouTube und Instagram.

Zwei Gruppen von Influencern treten besonders hervor: Promis vom Schlage der Kardashians und echten Trendsettern, die originär durch das Netz bekannt wurden wie Casey Neistat. Für Unternehmen ist besonders die Gruppe der mittelgroßen und sogar Mikro-Influencern interessant.

Vor allem international tätige Marken nutzen zunehmend die Möglichkeit, über Instagramer ihre Botschaften zu vermitteln. Was haben wir von den Instagramern mitgenommen? Unser eigener Instagram-Kanal legte an Wachstum und Reichweite ordentlich zu. Viel wichtiger noch: Schon nach kurzer Zeit zeigten sich auf den Kanälen der Instagramer lebhafte Diskussionen mit ihren Fans und Followern - meist junge Erwachsene, die an den Themen Nachhaltigkeit, grüner Energie und Achtsamkeit interessiert sind, sich sonst aber weniger mit uns beschäftigen. Nun erfuhren sie aus ihnen nahestehenden Quellen von der Wandlung unseres Unternehmens.

Flug
Austin

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