E-Sports in Echtzeit – die Formel E

Formel E
Rainer Stenzenberger
Digitale Kommunikation und Social Media

Vom Fan-Boost bis zum Einheitsboliden

Zugegeben: Wer gerne Benzinschwaden inhaliert und das laute Fauchen der Formel 1 Motoren liebt, muss sich bei der Formel E umgewöhnen. Völlig laut- und emotionslos, wie F1 Weltmeister Sebastian Vettel unkt, fahren die Formel E Rennwagen allerdings nicht über den Kurs. Das hochfrequente Sirren der elektrisch angetriebenen Boliden erinnert eher an Raumschiffe aus Star Trek und leitet damit auch akustisch auf das über, wofür die Formel E sinnbildlich steht: Die automobile Zukunft.

Formula E
Formula E

Denn eines hat die Formel E mit ihrem großen Konkurrenten gemeinsam: Hier geht es nicht nur um Rennsport. Die Rennställe gelten als Entwicklungslabore für den späteren Massenmarkt. Eine Hightech Komponente für eine Bremsscheibe, die von 200 km/h auf Null herunterbremst, ohne zu verglühen, könnte in ein paar Jahren in brave Familienkombis verbaut werden

Die vielen Jahre an Vorsprung der Formel 1 im Vergleich zur Formel E spiegeln sich in den technischen Daten wider – die Autos sind in fast jeder Hinsicht leistungsfähiger. Und die Formel E kämpft mit denselben Widrigkeiten wie der ganz normale Fahrer eines Elektroautos: Mangelnde Reichweite. So steigt jeder Fahrer zur Hälfte des Rennens in einen anderen Wagen um – die Batterie hat dann keinen Saft mehr.

Dennoch muss sich die Formel E nicht verstecken. Nicht nur, weil ihr technischer Fokus aktuell vor allem bei Antrieb und Akkus liegt, sondern weil das Konzept der Formel E insgesamt auf etwas anderes abzielt. Es orientiert sich mehr am echten Sport- und Wettbewerbsgedanken, spricht Zocker ebenso an wie Automobilisten.

Die wichtigsten Unterschiede: Formel E gegen Formel 1

Stadtkurs oder ganz weit draußen

Leise und emissionsfrei, so soll auch der urbane Verkehr der Zukunft aussehen. Weshalb die Formel E Strecken konsequent mitten durch die Metropolen dieser Welt führen – von Hongkong über Berlin bis New York. Formel 1 Fans müssen dagegen gern mal mit Camper oder Zelt zu den oft entlegenen Strecken aufbrechen.

Chancengleichheit

Praktisch alle Teams benutzen dasselbe Basismodell mit identischen Reifen, Bremsen, Motoren und der gleichen Batterie. Nur wenige Komponenten wie die Software bleiben Eigenentwicklungen. Das trägt zu einem ausgesprochen engen Wettbewerb unter den Teams bei. Vor allem fahrerisches Können entscheidet über den Sieg – anders als in der Formel 1, in der meist nur ein bis zwei technisch dominierende Rennställe eine gesamte Saison bestimmen.

Formula E
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Auf dem Beifahrersitz: die Fans

Die Formel E legt großen Wert auf eine aktive Einbindung ihrer Fans. Vor einem Rennen buhlen die Fahrer bei Internetvotings um die Gunst ihrer Anhänger. Das kann dann schon mal ein Sambatänzchen oder ein besonders lustiges Selfie mit einem treuen Fan sein. Das Fahrertrio mit den meisten Stimmen erhält dann im Rennen einen einmaligen Fanboost von mehreren Sekunden – der kann durchaus rennentscheidend sein.

Nun steigen die Giganten ein

Schon jetzt fahren Marken wie Jaguar oder Renault in der Formel E, doch künftig werden weitere ganz große Namen des Motorsports teilnehmen. Mercedes, BMW und Ferrari haben einen Einstieg in eine der nächsten beiden Rennserien angekündigt, andere dürften folgen. Zu groß ist die Attraktivität der Serie, zu interessant die Entwicklungsmöglichkeit von E-Mobility Komponenten unter höchsten Belastungen – insbesondere was Reichweite und Leistungsfähigkeit der Akkus betrifft. Hier erwarten alle Beteiligten große Sprünge in den nächsten Jahren.

Berlin, wir fahren nach Berlin!

Wir waren dabei – bei den beiden Formel E Rennen im Berlin am 10. und 11. Juni 2017 auf dem Rundkurs des ehemaligen Flughafens Tempelhof. In der Boxengasse konnten wir uns davon überzeugen, wie nah man als Fan an Fahrer und Mechaniker herankommt. Wir hatten die Gelegenheit zu kurzen Gesprächen mit Nick Heidfeld und Nelson Piquet Junior. Gewonnen haben allerdings am Samstag Felix Rosenqvist vom indischen Mahindra Team und am Sonntag Sebastien Buemi von Renault.

Die ganze Veranstaltung umwehte eine Mischung aus Familienfest und sportlichem Wettkampf. Den vielleicht größten Reiz machte allerdings das Bewusstsein aus, an etwas ganz Neuem teilzunehmen: Hier wird Zukunft gefahren.

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