Haie – faszinierend nachhaltige Wesen

Haie - faszinierend nachhaltige Wesen

Geschmeidig schlängelt er sich durch das Wasser und reißt mit seinen weißen, spitzen Zähnen blitzschnell die Beute. Diese oder ähnliche Szenen spielen sich meist vor unserem inneren Auge ab, wenn wir an Haie denken. Neben Furcht und Entsetzen sind wir gleichzeitig auch fasziniert von diesem einzigartigen Lebewesen. Haie leben bereits seit einer halben Ewigkeit auf der Erde – sogar schon vor den Dinosauriern. Diese Langlebigkeit beweist seine erfolgreiche Entwicklung: groß und schnell, mit einem unvergleichlichen Jagdinstinkt und ausgefeilten Angriffsmethoden.

Amanda Gläser-Bligh
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Amanda Gläser-Bligh
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Auch wenn Menschen nicht auf seinem Speiseplan stehen, verwechselt der Hai immer mal wieder Surfer mit Seehunden. Um sicher zu gehen, dass sich die Attacke auch wirklich lohnt, nimmt er gerne einen Testbissen. Für den Surfer allerdings kann selbst dieser Biss tödlich enden.

Zugleich sind Haie Teil unseres Ökosystems und können uns wie ein Barometer Aufschluss über die Gesundheit des Ozeans geben. Wenn es darum geht Energie einzusparen, verfügen Haie über ein paar außergewöhnliche Fähigkeiten, von denen wir uns einiges abschauen können. Wenn man diese Kniffe überträgt, können sie sogar dem Klimawandel entgegenwirken.

Hier sind die fünf spektakulärsten, nachhaltigen Fakten über Haie:

1. Energiespeicherung mit Öl und Wasser

Wenn wir an Energiespeicher denken, dann ist meist von großen Batterien in der Garage oder im Keller die Rede, die oft mit einer Solaranlage verbunden sind. Um zu Hause Energie zu speichern, kann das eine tolle Lösung sein. Aber in der Natur wird Energie auf tausend verschiedenen Wegen gespeichert. Haie zum Beispiel können Energie in Form von Öl in ihrer Lunge speichern.

Die Leber eines Hais kann bis zu 25% seines Körpergewichts einnehmen, wodurch er genug Öl einspeichern kann, um fast ein ganzes Jahr ohne Nahrung zu überleben. Dementsprechend können Haie weite Distanzen zurücklegen, ohne sich zwischendurch über Nahrungsquellen Gedanken machen zu müssen. Zusätzlich helfen diese großen Ölreserven, schwimmfähig zu bleiben, da Haie im Gegensatz zu Fischen keine Schwimmblase besitzen. Dabei wird das Öl in der Leber nie endgültig verbraucht - wenn es an der Zeit für Nachschub ist, begibt sich der Hai auf die Jagd.

Diese Energieeffizienz erhält den Hai nicht nur am Leben, sondern sorgt auch dafür, dass er schwimmen kann.

2. Über seitwärts Schwimmen & die Geometrie des Tauchens

Haie benutzen ihre Flossen dazu, das Wasser in jede mögliche Richtung zu lenken. Im Fall von Hammerhaien haben Wissenschaftler sogar festgestellt, dass sie aus Effizienzgründen in einem bestimmten Winkel leicht seitwärts schwimmen.

Nach den Beobachtungen der Wissenschaftler wählen Hammerhaie während 90% ihrer Schwimmzeit einen schrägen Winkel zwischen 50° bis 75°. Mehrmals wiederholte Experimente in Windkanälen bestätigten die Erkenntnis, dass die Haie in der Tat 10% weniger Energie verbrauchen, wenn sie sich in einer leichten Schräglage fortbewegen.

Haie sind ausgezeichnete Taucher. Eine Studie untersuchte, auf welche Weise sie Energie speichern (ob bewusst oder intuitiv), wenn sie während der Jagd nach Beute tauchen. Dabei stellte sich heraus, dass Haie abhängig davon, wie tief und weit sie tauchen verschiedene Winkel zum Abtauchen und Auftauchen nutzen. Die Tauchgänge der Haie weisen insgesamt vier verschiedene Muster auf und wie es scheint, treffen sie immer die beste Wahl für ihr Ziel. Doch manchmal tauchen sie extrem tief – so tief, dass sogar die Messgeräte nicht mit dem Wasserdruck mithalten können.

Haie finden immer den besten Winkel zum Wiederauftauchen und für die Nahrungsaufnahme, während sie ein Minimum an Energie verbrauchen. Was für Genies!

3. Designpreis

Schon beim Design fängt der Hai mit dem Einsparen von Energie an. Egal, ob wir von seiner Form sprechen, seiner Bewegung oder seinem nahezu perfekten Geruchssinn – alles, worüber der Hai heute verfügt, ist das Ergebnis der Evolution eines hochentwickelten Raubtiers.

Da seine Kiemen nicht dazu in der Lage sind, aktiv Wasser und damit Sauerstoff aufzunehmen, muss er weiterschwimmen, um zu atmen. Davon abgesehen hat der Hai aber äußerst scharfe Sinne, einschließlich seines Sehvermögens. Doch vor allem sein Skelett aus Knorpel erlaubt es ihm, in hoher Geschwindigkeit zu wenden und flexibel zu bleiben.

Wie kann etwas so Weiches zugleich so beängstigend sein?

4. Haihaut

Da Haie nicht zu den Fischen gehören, besitzen sie keine Schuppen. Was sie jedoch haben, sind Hautzähnchen. Unter dem Mikroskop sehen sie fast so aus wie Dachschindel. Was sie alles für den Hai leisten, grenzt fast an ein kleines Wunder.

Wie sich herausgestellt hat, ist eine vollkommen glatte Oberfläche nicht am geeignetsten dafür, sich im Wasser geschmeidig zu bewegen. Das Gegenteil ist eigentlich der Fall. Die Haut des Hais ist sogar ziemlich rau, wie ein Schleifpapier – aber nur in eine Richtung. Die Hautzähnchen haben eine V-Form und verringern Widerstand und Turbulenzen, was für eine bessere Leistung beim Schwimmen führt. Designer gucken sich das Prinzip bereits ab und ahmen die Haihaut bei Schwimmanzügen nach, um Schwimmern eine bessere Performance zu ermöglichen.

Aber dies ist nur der Anfang von der Verwendung künstlicher Haihaut. Ein davon inspirierter Anstrich in Krankenhäusern hindert Keime daran, sich an der Oberfläche abzusetzen. Außerdem haben Forscher darauf basierend ein Silikonmaterial entwickelt, das als Anstrich für Boote benutzt werden kann, um Seepocken vorzubeugen. Und jeder Bootsbesitzer weiß, was für eine schmutzige und lästige Angelegenheit es ist, um diese zu entfernen.

Und in unserem Fall ist es besonders nützlich, dass Materialien, die der Haihaut ähnlich sind, als Vortex-Generatoren bei den Flügeln der Windturbinen Anwendung finden.

Gleichermaßen erschwert das säurehaltige Wasser den Haien ihre Beute zu riechen und aufzuspüren. Dies kann nicht nur zu einer anstrengenderen Nahrungssuche führen, sondern ebenso Spannungen innerhalb der Population hervorrufen.

Hinzu kommt, dass der Hai aufgrund der global ansteigenden Wassertemperatur aus seinen derzeitigen tropischen Lieblingsplätzen vertrieben wird und sich auf die Suche nach kühleren Gewässern macht. Dies könnte eine erhebliche Störung im Naturhaushalt der Ozeane zur Folge haben.

Wenn eine oder mehrere Veränderungen in den Ozeanen diese Balance zum Schwanken bringen, werden wir es mit Sicherheit durch das veränderte Verhalten der Haie bemerken. Wie dies jedoch tatsächlich aussehen wird, kann zur Zeit niemand genau einschätzen.

5. Haie als Klimabarometer

Weltweit gibt es über 400 Hai-Arten, in allen nur denkbaren Formen und Größen. Entsprechend schwer ist es vorherzusagen, wie der Klimawandel die verschiedenen Haie beeinflussen wird. Aber einige Dinge kann man bereits jetzt mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen, wenn die Weltmeere säurehaltiger und sauerstoffärmer werden.

Große Haie brauchen mehr Sauerstoff. Da sie jedoch nur während des Schwimmens Sauerstoff aufnehmen können, wird das Atmen mehr Energie kosten, wenn die Ozeane knappere Ressourcen an Sauerstoff enthalten.

Mehr als nur ein Raubtier

Bevor wir den Hai vorverurteilen, müssen wir uns abschließend eingestehen, dass er faszinierender ist, als wir jemals gedacht hätten und mehr mit Energieeffizienz zu tun hat als wir es für möglich hielten. Auch wenn wir ihm niemals in die Quere kommen wollen, bewundern wir, wie ideenreich er ist und hoffen, dass wir auch in Zukunft neue und nachhaltige Fakten durch die weitere Forschung in den Tiefen der Ozeane lernen können.

Bis dahin hoffen wir, dass Ihnen diese Zusammenfassung atemberaubender Erkenntnisse über den Hai gefallen hat. Und all unseren amerikanischen Lesern wünschen wir eine spannende „Shark Week“ auf Discovery Channel!

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