Die Energiewelt wandelt sich grundlegend: Früher wurde der Strom von wenigen Kraftwerken über „Stromautobahnen“ in die Haushalte transportiert. Heute gibt es allein in Deutschland über 1,7 Millionen dezentrale Erzeugungsanlagen, die grünen Strom aus Windkraft, Sonnenenergie oder Biogas über viele „kleine Straßen“ ins Netz einspeisen. Immer mehr Verbraucher werden gleichzeitig zu Erzeugern, sodass der Strom in beide Richtungen fließt.

Zu manchen Tageszeiten erzeugen die Erneuerbare-Energie-Anlagen mehr Strom als benötigt wird. Wenn aber Wind und Sonne ausbleiben, decken diese Anlagen nur wenige Prozent des Bedarfs ab. Um die Schwankungen auszugleichen, brauchen wir in der neuen Energiewelt intelligente, innovative Lösungen und Netze, die den Herausforderungen der Energiewende mit mehr Flexibilität und Intelligenz begegnen.

Der Strombedarf wird durch die Digitalisierung und neue Verbraucher wie Elektroautos und Elektroheizungen künftig noch weiter steigen. Das wird auch einen weiteren Ausbau der Anlagen grüne Energie mit sich bringen – das Energiesystem der Zukunft ist also äußerst komplex.

Dr. Karsten Wildberger

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein wichtiger Baustein und Treiber der Energiewende.

Hier einige Beispiele, wo wir Künstliche Intelligenz einsetzen:

KI kann zum Beispiel Energie intelligent verteilen und speichern und damit Erzeugung und Verbrauch lokal ausgleichen. Das steigert die Effizienz im Netz und kann die Kosten für den Verbraucher senken. 

Mit KI und sogenannten Meta-Prognosen können wir sehr genau berechnen, wie viel Wind es am nächsten Tag oder sogar in den nächsten Stunden in einem Windpark geben wird. So können wir bereits im Vorfeld entsprechend reagieren – sowohl bei einem Mangel an Windenergie als auch bei einem erwarteten Überschuss.

Wir nutzen KI dazu, die Energieausbeute in Windparks zu maximieren: KI schafft es, die Turbinen zu synchronisieren und optimal zum Wind auszurichten.

KI unterstützt die Versorgungssicherheit für unsere Kunden und warnt vor Stromausfällen: Mit KI können wir berechnen, wann ein Kabel ausgetauscht werden muss und eingreifen, bevor es tatsächlich beschädigt ist. So können wir Störungen minimieren und Unterbrechungen der Versorgung deutlich reduzieren.

Künstliche Intelligenz hilft uns dabei, unsere Kunden besser zu verstehen. So können wir besser antizipieren, was unsere Kunden beschäftigt und eventuelle bereits Lösungen entwickeln, bevor ein Problem auftaucht. Das verbessert beispielsweise unsere Call Center-Aktivitäten und erhöht die Kundenzufriedenheit. 

Vorausschauende Wartung

Wir haben einen selbstlernenden Algorithmus entwickelt, der vorhersagen kann, wann die Mittelspannungskabel in unserem Stromnetz ausgewechselt werden müssen. Das System nutzt verschiedene Datentypen, um Muster und Schwankungen in der Stromerzeugung zu ermitteln. Dabei berücksichtigt es auch externe Faktoren, wie die Witterung, Blitze und den Salzgehalt. Unsere Studien haben gezeigt, dass dieser intelligente Ansatz die Anzahl der Netzausfälle deutlich senken kann. Sie liegt um 30 % niedriger als bei einem konventionellen Ansatz. Das wiederum bedeutet für unsere Kunden und Partner eine größere Versorgungssicherheit und eine bessere Netzqualität.

Vorausschauende Wartung
E.ON Home

E.ON Home

Für den privaten Endverbraucher können wir mit Hilfe von KI Verbrauchsübersichten erstellen, auf denen nicht nur sichtbar ist, wie viel Energie verbraucht wurde, sondern auch, von welchen Geräten und zu welcher Zeit. Auch daraus lassen sich Einsparpotentiale ableiten. Außerdem bieten wir Verbrauchsvergleiche an, die Kunden dabei helfen sollen, die Höhe des eigenen Verbrauchs einzuordnen.

Verantwortungsvoller Umgang mit künstlicher Intelligenz

Wir möchten mit Künstlicher Intelligenz den größtmöglichen Nutzen für unsere Kunden, die Gesellschaft und unser Unternehmen erzielen. KI wird alle Bereiche unseres Lebens beeinflussen: Sie wird sich darauf auswirken, wie wir leben und arbeiten. Deshalb spielt auch das Thema Ethik in der Debatte rund um Künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle.  

KI birgt durchaus auch Risiken und erfordert daher ein verantwortungsvolles und ethisch korrektes Verhalten. Wir haben uns sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie wir sicherstellen können, dass sich unsere Datenexperten nicht nur den Datenschutzverordnungen entsprechend legal korrekt verhalten, sondern auch ethisch.

Deshalb haben wir gemeinsam mit der Oxford University Pionierarbeit geleistet und den Oxford-Munich Code of Conduct for professional data scientists entwickelt. Er soll nicht nur unseren E.ON-Mitarbeiter*innen in Form eines praktischen Leitfadens Orientierung geben, sondern auch allen, die diesen Code unterstützen. 

Juan Bernabé-Moreno

„How Artificial Intelligence is accelerating the Energy transition“

Das in Kooperation mit dem BDEW herausgegebene Buch „How Artificial Intelligence is accelerating the Energy transition“ gibt einen umfassenden Überblick über die Aktivitäten von E.ON im Bereich Künstlicher Intelligenz. 

Kerstin Andreae

Das könnte Ihnen auch gefallen