Zu Beginn meiner Laufbahn bei E.ON hatte ich die Ehre, an einigen bahnbrechenden Offshore-Windkraftprojekten mitzuarbeiten. Schon damals waren Technologien am Markt, die mich inspirierten, und Windturbinen, deren Kraft mich beeindruckte. Seither schreitet die technologische Entwicklung der Branche enorm schnell voran und die Turbinenmodelle werden von Jahr zu Jahr größer.

Ein weiteres Beispiel für einen schnell wachsenden Sektor im Bereich der erneuerbaren Energien ist die Stromerzeugung durch Photovoltaik (PV), bei der Solarmodule auf dem Dach von Gebäuden oder auf dem Boden installiert werden.  Es ist zu erwarten, dass PV künftig einen noch größeren Teil des nachhaltigen Energiemix in Europa ausmachen wird.  Bei diesem Boom der Wind- und Solarenergie könnte jede*r von uns aktiver Teil der Energiewende sein – aber längst nicht alle empfinden das so! Wenn ich kein eigenes Dach habe, keine Tausende von Euros übrig, um in nachhaltige Energieerzeugung zu investieren, kann ich dann nicht dazu beitragen, dieser bisher größten Herausforderung der Menschheit zu begegnen?

Von Eiern und Energiequellen

In den letzten Jahren wurde eine Reihe aussagekräftiger Studien veröffentlicht, aus denen sich schließen lässt, dass die Einführung großer PV-Anlagen und Windparks nicht ausreichen wird, um die Energiewende schnell und mit erschwinglichen Mitteln herbeizuführen. Was also können wir als einzelne Bürger*innen tun, wenn wir uns engagieren wollen? Lassen Sie mich eine Analogie aus dem Lebensmittelbereich nutzen, um zu verdeutlichen, wo ich in dieser Frage stehe.

Überall auf der Welt sind Eier ein gängiges Konsumgut. Wenn wir Eier kaufen, suchen wir im Allgemeinen nicht nach bestimmten Marken oder ändern unsere Kaufgewohnheiten, wenn wir nicht zu Hause sind. Wir kaufen einfach Eier, denn wir vertrauen darauf, dass verschiedene Marken sich in der Qualität nicht sonderlich unterscheiden.

Jedoch nahm das Bewusstsein der Verbraucher*innen hinsichtlich der teils sehr schlechten Bedingungen in der Hühnerhaltung in den letzten Jahren stetig zu. Für Hühnerhöfe, die Zeit und Geld investierten, um bessere Haltungsbedingungen für ihre Tiere zu schaffen, war es leider sehr schwierig, ihre Preise niedrig zu halten. Aufgrund ihres zunehmenden Bewusstseins hinsichtlich der schlechten Standards einiger Hühnerhöfe waren Verbraucher*innen dennoch zunehmend bereit, die etwas höheren Preise zu zahlen – um eine artgerechte Tierhaltung zu unterstützen.

Einen ähnlichen Sinneswandel erleben wir im Energiesektor. Auf der ganzen Welt rütteln uns Bewegungen für saubere Energie wach. Sie ermutigen uns den Klimawandel aktiv anzugehen und unseren Energieverbrauch besser und sparsamer zu gestalten. Bedauerlicherweise ist die Energiebranche jedoch noch nicht so weit wie die Lebensmittelindustrie.

Aber zurück zur Eierfrage. Stellen Sie sich vor, Sie wollen das Eierkaufen „richtig machen“. Sie müssen nicht viel von Landwirtschaft verstehen, aber Sie wollen die richtigen Eier kaufen, weil Sie es sich leisten können und das Richtige tun wollen. Was passiert jetzt, wenn die „richtigen Eier“ – also die von glücklichen Hühnern – zwar erhältlich sind, jedoch nicht in dem Geschäft, in dem Sie üblicherweise einkaufen gehen? Machen Sie sich die Mühe, einen Laden zu suchen, in dem Sie solche Eier bekommen?

Da wir alle sehr beschäftigt sind, könnte die Antwort für viele leider „Nein“ lauten. Das bedeutet, dass zwar viele Leute enttäuscht sind, wenn sie nicht die „richtigen“ Eier kaufen können, aber sie trotzdem (jedenfalls im Moment noch) die „falschen“ Eier nehmen, die sie ganz einfach dort bekommen, wo sie normalerweise einkaufen.

Im Energiesektor passiert etwas Ähnliches: Es gibt zahllose Möglichkeiten, sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen, aber sie sind für die Bürger*innen nicht so leicht zugänglich oder verständlich, wie sie sein sollten.

Viele Verbraucher*innen haben schlicht und einfach keine Zeit, sich die Informationen zu besorgen, die für eine fundierte Entscheidung bei Anbieterwechseln oder Neuanschaffungen nötig sind. Einer Studie von E.ON zufolge hat mindestens eine von fünf befragten Personen ein aktives Interesse an nachhaltiger Energie und ist auch bereit dafür mehr zu bezahlen, jedoch fehlt ihnen die Zeit für die Suche nach dem richtigen Versorgungsunternehmen. Diese Untersuchung zeigt also, dass ein Großteil der Menschen bereit ist, sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen. Zum Vergleich: Allein in Deutschland sprechen wir von ungefähr genauso vielen Leute wie die, die sich in den letzten 20 Jahren eine PV-Anlage angeschafft haben.

Anders ausgedrückt: Es gibt Millionen von Menschen, die ihren Beitrag leisten wollen, aber unter den jetzigen Bedingungen ist es ihnen noch nicht möglich. Wir können von Menschen, die ohnehin schon viel zu tun haben, ganz einfach nicht erwarten, dass sie sich die nötige Zeit nehmen. Die Branche muss Mittel und Wege finden, um die Bürger*innen zu unterstützen, und die richtigen Produkte und Dienstleistungen entwickeln, um sie zum Handeln zu motivieren – solange sie interessiert und veränderungsbereit sind.

Energiegemeinschaften: Nachhaltige Energie ist Gemeinschafts- und Vertrauenssache

Im vergangenen Jahrzehnt hat die Energiebranche untersucht und diskutiert, wie es gelingen kann, den Bürger*innen zu helfen, „das Richtige tun“ zu können. Glücklicherweise hat die EU-Kommission Notiz davon genommen, mit welchen Herausforderungen Verbraucher*innen zu kämpfen haben und wie wichtig sie für eine erfolgreiche Energiewende sind. So wurde 2016 von der Kommission eine neue Initiative für den Energiesektor eingeführt, die bei der „Eierfrage“ helfen soll. Diese Initiative nennt sich CEC, Citizen Energy Communities oder Bürgerenergiegemeinschaften.

Ziel der CEC ist es, die Menschen zu befähigen, gemeinsam zu entscheiden was die beste Lösung für sie ist, um einen aktiven Beitrag zur Energiewende zu leisten. Indessen werden Unternehmen dabei unterstützt, ihre Kund*innen auf neuen und innovativen Wegen mit nachhaltigen Lösungen zu versorgen.

Mit meinem Team arbeite ich unter Hochdruck daran, E.ON europaweit zu einem Vorreiter im Bereich der Energiegemeinschaften zu machen.  Dabei konzentrieren wir uns nicht nur darauf, die richtigen Komponenten zu finden, um Energiegemeinschaften technisch zu ermöglichen, sondern auch darauf Vertrauen aufzubauen im Kreis der Bürger*innen, die Teil der Gemeinschaft sind. Die Energiegemeinschaften werden rechtlich unabhängig von den großen Unternehmen der Branche sein und können somit ihre Entscheidungen völlig autonom treffen. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass nachhaltige Energie und menschliche Willenskraft endlich einen gemeinsamen Weg finden, wenn mein Team und ich engagiert zum Aufbau solcher Gemeinschaften beitragen. Die gesamte Energiewende wird dadurch Fahrt aufnehmen und einen großen Wandel erleben.

Die Implementierung der neuen EU-Richtlinie zu den Energiegemeinschaften hat bereits in sämtlichen EU-Mitgliedsstaaten begonnen und wird in den nächsten Monaten in nationales Recht umgesetzt werden. Wir verfolgen intensiv, welche Konzepte von den einzelnen Ländern übernommen werden, und freuen uns schon darauf, unseren regionalen Unternehmen Starthilfe zu geben – damit sie unter den ersten sind, die dieses Thema in ihren jeweiligen Märkten vorantreiben.

 

Schon bald können Nachbar*innen überschüssige Energie aus ihren PV-Anlagen miteinander teilen, und es wird sich für sie lohnen, Erfahrungen auszutauschen und schließlich gemeinsam die richtigen Entscheidungen für ihre lokale Energiegemeinschaft zu treffen. Ob in der Nachbarschaft, im Freundeskreis oder in der Familie, Energie wird ein Gesprächsthema sein. Individuelle Vorteile werden (mit)geteilt und so zum Vorteil aller – genau darum geht es bei Energiegemeinschaften auf lokaler Ebene. Es geht um die Kraft des WIR.

2021 werden wir uns auf Anwendungsfälle für Mehrfamilienhäuser und deren Nachbargebäude konzentrieren. Wir möchten die Menschen befähigen und ermutigen aktiv zur Beschleunigung der Energiewende beizutragen. Durch unseren Beitrag zur Entwicklung der Branche und Etablierung von Energiegemeinschaften, werde auch ich hoffentlich bald zu den glücklichen Energiekunden gehören, die das gute Gefühl haben einen aktiven Teil zur Energiewende beizutragen.

Meiner Überzeugung nach stehen wir an der Schwelle zu einer neuen Phase der Energiewende. Mein Team und ich wollen dafür sorgen, dass E.ON dabei ganz vorne mitspielt.

Eine große Welle der Veränderungen ist im Anmarsch, und schon bald werden wir beobachten können, wie sich erneuerbare Energien und gemeinschaftliches Handeln verbünden.

Über Luis Arturo Hernández Salmerón
Über Luis Arturo Hernández Salmerón
Luis Hernández ist Experte für Energiegemeinschaften und Optimierung von Wärme- und Stromnetzen. Seine Laufbahn bei E.ON begann 2013; derzeit leitet er das Innovations-Team im Bereich „Energy Communities and Networks“. Aufbauend auf seinen weitreichenden Kenntnissen in Management-, Regulierungs- und Technikthemen der Energiebranche, treibt er wegweisende Projekte in ganz Europa voran. Luis Hernández schreibt über Veränderungen der Energiemärkte auf Bürgerebene sowie über eine schnellere und erschwinglichere europäische Energiewende.
Die Beiträge spiegeln die Meinung der Autoren wider und nicht zwangsläufig die von E.ON. E.ON kann für die Verwendung der in den Beiträgen enthaltenen Informationen nicht haftbar gemacht werden. Insbesondere übernimmt E.ON keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit sowie Aktualität der Beiträge.

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