Dieses Zitat mag zwar schon 75 Jahre alt sein, aber es wirkt heute aktueller denn je. Die Anwendung neuer Technologien bringt einen Umbruch für alle Branchen. Wir sprechen von der vierten industriellen Revolution. Um diesen Wandel zu gestalten, geht E.ON den Weg von partnerschaftlicher Zusammenarbeit.

Ein Alphatier der Energieinfrastruktur

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie schnell große Technologiekonzerne und Startups neue Produkte und Lösungen entwickeln – häufig für Probleme, von denen wir nicht einmal wussten, dass sie existieren.

Einige Ansätze lösen bestehende Branchengrenzen sogar auf und zwingen die Marktteilnehmer dazu, sich komplett neu zu erfinden. Das ist eindrucksvoll – aber ich würde lügen, wenn ich mir nicht gelegentlich Sorgen machen würde, wie sich diese Veränderungen auch auf das E.ON Geschäft auswirken. Hinzu kommt die Frage, ob wir gut genug aufgestellt sind, darauf zu reagieren und die Transformation zu gestalten.

Wenn wir uns die Zahlen und Fakten ansehen, sind wir grundsolide aufgestellt. E.ON ist einer der größten Energieversorger in Europa – mit 32 Millionen Stromkunden und weiteren 13 Millionen, die wir mit Gas versorgen.

Wir verwalten rund 1,4 Millionen Kilometer des Energienetzes und 149.000 Kilometer des Gasnetzes. Darüber hinaus betreuen wir 9.000 Kilometer Wasserinfrastruktur und 130.000 Hochspannungsmasten und betreiben das zweitgrößte Ladeinfrastrukturnetz des Kontinents.

Der Großteil, 78 Prozent unseres Umsatzes, (das sind rund 41,5 Milliarden Euro im Jahr 2019) stammt aus dem regulierten Netzgeschäft. E.ON als das Alphatier der Versorgungsinfrastruktur zu bezeichnen, ist dabei fast eine Untertreibung.

Löwe

Die Energie-Infrastruktur – Chancen und Risiken

Eine so große Infrastruktur kann aber auch zur Herausforderung werden, wenn neue Makro-Trends wie die Energiewende sowie neue Technologien einen Systemwechsel erzwingen. Durch die zunehmend dezentrale Einspeisung werden sich die Transportwege verkürzen. Wir als größter Verteilnetzbetreiber werden weg von der reinen Versorgungsaufgabe mehr und mehr die Optimierung von Netzanschlusspunkten durch intelligentes Energie- und Lademanagement übernehmen. Um den Umbau zu einem nachhaltigen Energiesystem wertsteigernd zu gestalten, müssen wir das Netz intelligent machen, dezentrale Energiegeräte (wie PV-Anlagen, Batterien, Wärmepumpen, Brennstoffzellen, Elektroheizungen oder Ladestationen) managen, in neue Technologien und Geschäftsmodelle investieren und dabei unsere Existenzberechtigung an die neue Welt anpassen.

Hier sollten wir keinen Konflikt zwischen Wachstum im regulierten und nicht-regulierten Infrastrukturgeschäft sehen. Beides sollte aufeinander aufbauen. Indem wir neue Einnahmequellen erschließen und etwa durch Technologien Kosteneinsparungen realisieren, wollen wir unsere Marktposition nachhaltig stärken.

Aber wir sind keine Insel. Wir werden uns nicht länger darauf verlassen können, die Energiewende alleine zu stemmen und jede Lösung nur für uns exklusiv und inhouse zu entwickeln. Mit der Gründung der E.ON Innovation haben wir eine Abteilung geschaffen, die innovative und disruptive Partnerschaften systematisch und basierend auf den Bedürfnissen des Business identifiziert und validiert. Wir haben eine eigene Innovationsplattform eingerichtet, die uns dabei hilft, die neuesten Entwicklungen im Energiebereich zu bewerten und mit anderen innovativen und globalen Unternehmen, Institutionen, Universitäten, Vordenkern und Startups zu kooperieren..

Ich gehe soweit zu sagen, dass wir ohne das Knowhow von Partnern die langfristige Innovationskraft verlieren. Ohne den branchenübergreifenden Wissenstransfer fehlt der Katalysator für Fortschritt und neue Ideen. Das Alphatier in der sich verändernden Energielandschaft muss zum Rudeltier werden, um seine Position langfristig zu sichern.

Dezentralisierung: Die Transformation der Energiewirtschaft

Mega-Trends wie die Digitalisierung und Konnektivität, zunehmende Urbanisierung sowie der demografische Wandel verändern unsere Art des Lebens und Arbeitens fundamental. Mit ihr wandelt sich auch die Art und Weise, wie wir Energie produzieren, verteilen und verbrauchen – die aktuelle Pandemie spitzt die Situation weiter zu.

Diese Trends, zusammen mit der Nutzung neuer Technologien, sorgen dafür, dass sich die traditionellen Grenzen zwischen den Industriezweigen auflösen. Neue Geschäftsmodelle und die Nachfrage nach maßgeschneiderten Kundenlösungen geben uns als Energieversorger die Chance in andere Segmente hineinzuwachsen – von der Automobilindustrie über die Telekommunikationsbranche bis hin zu Banking, IT/Cloud und Gebäudewirtschaft.

Jeder kennt mittlerweile den Begriff IoT oder das „Internet der Dinge“. Wenn ich gefragt werde, worum es dabei geht, zitiere ich ein Denkspiel: Stellen Sie sich vor, Ihr Toaster stellt Bitcoins her, um seine Spielschulden zu begleichen, die er dem benachbarten Kühlschrank schuldet.

Um es klar zu sagen: Ich behaupte nicht, dass Ihr Toaster stillschweigend die Weltherrschaft plant, während er Ihren Toast röstet – zumindest noch nicht. Aber die Tatsache, dass durch die Kombination von Rechenleistung, Energie und neuen Internetprotokollen schon heute Kryptowährungen erschaffen werden, die von Maschinen genutzt werden können, um Handel zu betreiben, soll Ihnen eine Vorstellung von der seismischen Verschiebung geben.   

Ich glaube, dass in den kommenden Jahren intelligente „Systeme“ in unserer Arbeits- und Lebenswelt alltäglich werden. Diese Lösungen werden als selbstständige Agenten agieren, eigene Handelsstrategien entwickeln und ihre Services in einem kaufmännischen System anderen Marktteilnehmern zur Verfügung stellen. Übertragen auf die Energiewirtschaft kann das die Wärmepumpe sein, Ihre Klima-Anlage oder Ihr Elektrofahrzeug, dass seine Flexibilität anbietet und für Sie die besten Konditionen verhandelt. Neue Technologien wie 5G, Blockchain, AI, künstliche neuronale Netze und Quanten Computing werden dabei behilflich sein, ein adaptierbares System zu entwickeln, dass ständig dazu lernt, um unsere Energiesysteme noch flexibler und responsiver zu gestalten.

Hier bei E.ON wollen wir diese Welt gestalten – und zwar schon heute und zu einem Zeitpunkt, zu dem solche Szenarien zumindest in Europa noch als Science Fiction erscheinen. Wir testen bereits jetzt die gesamte Bandbreite neuer und disruptiver Technologien. Das ist eine derart herausfordernde Mission, die wir nicht allein bewältigen können und wollen: Wir möchten die Zukunft gemeinsam mit einem Ecosystem an innovativen Partnern noch schneller Wirklichkeit werden lassen. Ich freue mich auf diese Reise!

Ökosysteme – Übergang von „Make-or-Buy“ zu Kooperationen

Die Energiebranche kann es sich nicht leisten, all diesen Veränderungen nur von der Seitenlinie aus zuzuschauen. Wir wollen gestalten – und zwar hier und heute – entweder indem wir das Steuer ergreifen oder zumindest auf dem Co-Pilotensitz Platz nehmen.

Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns, wenn es darum geht, unsere eigene Einstellung und Haltung an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Wir müssen unsere alte „Make-or-Buy“-Philosophie – bei der wir uns zwischen inhouse Produktion und externem Einkauf entscheiden – um eine dritte Option erweitern, bei der Kooperationen ein dritter erfolgsversprechender Weg sind.

Wir sind damit kein Alphatier mehr, sondern machen das partnerschaftliche Arbeiten zur Norm. Mit innovativen Partnern müssen wir der Frage auf den Grund gehen, welche Technologien, Anwendungen, Plattformen und Dienstleistungen in Zukunft relevant und für unsere Kunden die beste und kostengünstigste Lösung darstellen können.

Ich bin überzeugt, dass diese Art von Kooperation uns nicht nur hilft, Lösungen besser und schneller zu skalieren, sondern auch zu einem ausgewogeneren Risiko-Rendite-Verhältnis führen wird. Mit Partnern auf Augenhöhe können Aufwände minimieren und Mehrwerte maximieren.

Ein Blick in die Praxis

E.ON kann seine heutige Marktposition nur behaupten, wenn es seine Lücken weiter schließt, in neue Märkte expandiert und seine Unternehmenskultur modernisiert. Dabei müssen wir proaktiv sein.

Wir verfolgen mit unseren Innovationsteams in Israel, Berlin und im Silicon Valley konsequent neue Technologietrends sowie neue Geschäftsmodelle und unterstützen den E.ON Konzern systematisch mit der Durchführung von Match-Making Veranstaltungen. Auf der Basis identifizierter Wachstumspotentiale vernetzen wir Teams aus dem operativen Geschäft mit Technologiepartnern und Startups, die uns dabei helfen den Nutzungsgrad unserer existierenden Infrastruktur zu erhöhen, die Einführung von neuen Produkten zu skalieren oder gänzlich Neuland zu betreten.

Einige dieser Partnerschaften tragen bereits Früchte. Nehmen wir zum Beispiel Lemonbeat, ein patentiertes Funkfrequenz-Sprungverfahren für IoT-Geräte, das komplexe Konnektivitätsprobleme löst. Oder gridX – eine Lösung, die das effiziente und dynamische Lastmanagement von Ladestationen für Elektrofahrzeuge gewährleistet. Wir sind auch eine strategische Partnerschaft mit Heliatek eingegangen, einem in Dresden ansässigen Unternehmen, das die weltweit erste vollorganische Photovoltaik-Folie herstellt.

In der Zwischenzeit hat uns unsere Partnerschaft mit EWF (der Energy Web Foundation) geholfen, wertvolles Know-how für einen KI- und Blockchain basierten Bottom-Up Energiemarkt zu gewinnen.

Nicht zu vergessen, unsere bedeutende Wasser- und Strommast-Infrastruktur. Wir sind zuversichtlich, dass uns Partnerschaften dabei helfen, den Nutzungsgrad auch dieser Asset-Base zu erhöhen und in Kombination mit neuen Technologien wie 5G neue Wachstumsmöglichkeiten zu erschließen.   

Ich prognostiziere, dass sich durch das Ende der Einspeisevergütung aus der Not heraus neue Geschäftsmodelle und ökonomische Anreize für angrenzende Branchen ergeben werden. Wir stellen uns etwa die Frage, wie sich die zunehmend dezentrale Stromerzeugung und der lukrative Eigenverbrauch auf die Entwicklung von autonomer Landwirtschaft und Smart Farming auswirkt.  

Alles in allem kann ich mir keine spannendere Zeit vorstellen, um sich mit der Transformation der Energiewirtschaft und neuen disruptiven Technologien und Geschäftsmodellen zu beschäftigen.

Fazit

Die Energiewelt von heute wird sich fundamental von dem heutigen Energiesystem wie wir es kennen unterscheiden. Allein und ohne innovative Lösungen und das Know-how potentieller Partner kann auch ein starkes Alphatier wie E.ON nicht zukunftsfähig bleiben.

Deshalb freue ich mich, für E.ON ein innovatives Ecosystem an vielversprechenden Startups, Unternehmen und Technologiekonzernen aufzubauen, um auf die veränderten Kundenanforderungen zu reagieren, bevor es andere tun.

Aber unsere Mission hat gerade erst begonnen. Ich freue mich, ein Territorium an neuen Möglichkeiten mit anderen Partnern zu erschließen: vom Ego zum Ökosystem.

Über Kerstin Eichmann
Über Kerstin Eichmann
Als erfahrene Führungskraft mit über zehn Jahren Erfahrung in der Durchführung von IT-Projekten, Unternehmensgründungen, Venture Capital und Marketing verantwortet Kerstin Eichmann im E.ON Konzern im Bereich Innovation das Thema Partnerschaften. Zuvor war sie bei innogy in verschiedenen Rollen für die Investmentstrategie der „Machine-Economy“ zuständig und hat den Aufbau einer lokalen Venture Capital Community mit Fokus auf IoT und DLT federführend vorangetrieben. Zuvor hat Kerstin Eichmann das Technical Evangelism Team bei Microsoft in München geleitet. Vor ihrer Karriere im Corporate Umfeld war Kerstin für die Fidor Bank tätig, für die sie innovative P2P Banking-Produkte entwickelte. Kerstin schreibt über Partnerschaften, Start-ups und disruptive Geschäftsmodelle.

Die Beiträge spiegeln die Meinung der Autoren wider und nicht zwangsläufig die von E.ON. E.ON kann für die Verwendung der in den Beiträgen enthaltenen Informationen nicht haftbar gemacht werden. Insbesondere übernimmt E.ON keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit sowie Aktualität der Beiträge.

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