Wie aus Wellen neue Energie wird
Manche Wellenkraftwerke funktionieren nach dem Wassersäulen-Prinzip: Die ankommenden Wellen rollen in eine riesige Betonkammer. Das im Wellenverlauf aufsteigende und wieder zurückgehende Wasser erzeugt abwechselnd Druck und Unterdruck in der Kammer. Die darin befindliche Luft komprimiert und entspannt sich mit der Wellenbewegung nach dem Prinzip der "schwingenden Wassersäule“ (= Oscillating Water Column, kurz OWC). Herzstück der Anlage ist eine Luftturbine, die sogenannte Wells-Turbine, die den Luftstrom in eine konstante Drehung umwandelt und dadurch Strom erzeugt. Ein solches OWC-Kraftwerk kann sich auf einer schwimmenden Plattform im Meer befinden oder am Ufer fest installiert werden.
Die sogenannte Wave-Dragon-Technologie nutzt einen Wellenkonzentrator, der die Wellen durch zwei V-förmig angeordnete Barrieren zur Mitte hin konzentriert. Die so verstärkten Wellen laufen eine Rampe hinauf. Von dort aus fließt das Wasser über Turbinen, die einen Generator antreiben, zurück ins Meer. Die gesamte Anlage ist als schwimmendes Offshore-Kraftwerk ausgelegt und daher nicht an die Küste gebunden.
Andere Ansätze zur Gewinnung von Wellenenergie nutzen Bojen, die einer Riesenschlange ähneln - wie E.ON es in seinem Projekt West Wave macht. Sie liegen an der Wasseroberfläche querförmig zum Wellenkamm und bewegen sich schlangenförmig mit dem Wellengang im Ozean. Hydraulische Motoren, die sich nahe der Scharniergelenke zwischen den Segmenten befinden, setzen die Bewegungsenergie in elektrische um. Durch den Wellengang werden Kolben in Gang gesetzt, die Hydraulikflüssigkeit in einen Behälter pumpen. Diese Flüssigkeit treibt Generatoren an und der erzeugte Strom wird anschließend durch ein Kabel zum Festland geleitet.
Die größte Herausforderung beim Bau von Wellenkraftwerken ist ihre Widerstandsfähigkeit. Die Anlage muss einerseits der immensen Kraft starker Stürme widerstehen und andererseits auch bei geringem Wellengang ausreichend Energie bereitstellen. Und genau das kann die Seeschlange: Sie setzt sich nicht den Brechern aus, sondern taucht im Orkan durch die Welle hindurch.
