E.ON AG
29.07.2010  23.13 Uhr
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Die häufigsten Fragen zu

Bio-Erdgas

Biogas entsteht bei der biologischen Umsetzung von organischen Stoffen unter Luftabschluss und wird in speziellen Vergärungsanlagen (Fermentern) gewonnen. Die wichtigsten Substrate für Biogasanlagen sind nachwachsende Rohstoffe, tierische Exkremente und so genannte Kofermente (z. B. organische Abfälle aus der Lebensmittelproduktion). Je nach Einsatzstoffen besteht Biogas vor allem aus Methan (50 bis 70 Prozent) und Kohlendioxid (30 bis 50 Prozent). Weitere Bestandteile sind u. a. Stickstoff und Schwefelwasserstoff, diese allerdings in sehr geringer Konzentration.

Bio-Erdgas besteht aus aufbereitetem Biogas und entspricht den Beschaffenheitsanforderungen von Erdgas gemäß den einschlägigen DVGW-Arbeitsblättern. Es kann ins Erdgasnetz eingespeist werden, wird umweltschonend transportiert und bei Bedarf gespeichert. Bei der Verwendung in Erdgasgeräten verhält es sich wie Erdgas; es sind keine zusätzlichen Anforderungen zu berücksichtigen. Bio-Erdgas bietet besonders rationelle Möglichkeiten zur Nutzung regenerativer Energien.

Biodiesel ist flüssiger Kraftstoff, der in der Regel aus Rapsöl durch den sogenannten Umesterungsprozess gewonnen wird. Es entsteht Rapsmethylester (RME), der als Alternative bzw. Beimischung zum Diesel zu betrachten ist.

Bioethanol (auch Ethylalkohol) ist Ethanol, das ausschließlich aus Biomasse hergestellt wird. Die in der Biomasse enthaltene Stärke wird mithilfe von Enzymen in Glukose aufgespalten und anschließend zu Ethanol vergoren. Es kann zur stationären Stromerzeugung sowie als Kraftstoff verwendet werden.

Als Treibstoff kann Bioethanol für speziell entwickelte Motoren in Reinform (E100) verwendet werden oder als "Mischkraftstoff" mit einem Anteil an fossilem Otto-Kraftstoff (z.B. E85, E50) in so genannten "Flexible Fuel Vehicles" (FFV) zum Einsatz kommen.
Bio-Erdgas gehört zu den effizientesten Energieträgern aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien. Es eignet sich besonders gut für die Erzeugung von Strom und Wärme in Kraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung und kann im Gegensatz zur Wind- oder Solarenergie das gesamte Jahr über kontinuierlich erzeugt werden, da es keinen saisonalen Schwankungen unterliegt und in der Produktion vollkommen unabhängig von Wind und Wetter ist. Es hat auch eine wesentlich  höhere Flächeneffizienz als andere Biokraftstoffe wie Biodiesel oder Bioethanol. Das heißt, vom Biomasseertrag auf einem Hektar Anbaufläche kann man zum Beispiel im Vergleich zu Biodiesel oder Bioethanol etwa die dreifache Energiemenge an Bio-Erdgas herstellen. Bei der Verbrennung von Bio-Erdgas entsteht nur soviel CO2, wie die dafür genutzte Biomasse der Atmosphäre zuvor während des Wachstums entzogen hat.
Nein. Eine Studie des BGW/DVGW* geht davon aus, dass bis zum Jahr 2030 ca. zehn Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs durch regenerativ erzeugtes Biogas ersetzt werden kann.

* "Analyse und Bewertung der Nutzungsmöglichkeiten von Biomasse", 2006
Für die Produktion von Biogas können z. B. Getreide, Mais, Zuckerhirse, Sudangras, Rüben, Gräser, Sonnenblumen u.a. verwendet werden. Zukünftig werden auch andere Pflanzen vermehrt in Biogasanlagen genutzt werden können. Z.B. sogenannte Zwischenfrüchte, die zwischen den Ernten der Hauptfrüchte ausgesät und wieder geerntet werden können.
E.ON hat 2008 mit der Produktion von Bio-Erdgas begonnen. Im Vergleich zu anderen regenerativ erzeugten Energien, zum Beispiel Wind- und Wasserkraft, nimmt Bio-Erdgas damit naturgemäß erst einen geringen Anteil im Portfolio ein. Zukünftig soll der Anteil an der Erdgasversorgung durch Bio-Erdgas gesteigert werden. Grundsätzlich hat bei E.ON die Erschließung Erneuerbarer Energien aller Art einen sehr hohen Stellenwert. Schon heute erzeugt E.ON über elf Prozent seiner Energie aus Erneuerbaren Energien. Wir sind der Meinung, dass gerade ein Technologieführer wie E.ON sich solchen Themen annehmen sollte, damit positive Entwicklungen zügiger voranschreiten. Auch hier taugt das Beispiel Bio-Erdgas: Die Effizienz der Biogas-Produktion hat in den letzten Jahren stark zugenommen - und je mehr Forschungsgelder und Investitionen in führende Anlagen wie zum Beispiel in die Anlage "Schwandorf" getätigt werden, desto größer ist der Fortschritt und damit auch die Effizienz. Denn die effiziente Nutzung der Bioenergie ist in Zukunft ein unentbehrliches Instrument des Klimaschutzes.
Sicherlich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Nachfrage nach Energiepflanzen und der nach Nahrungsmittelpflanzen. Die Zusammenhänge sind aber sehr komplex und sollten global betrachtet werden. Rohstoffe sowie Nahrungsmittel werden weltweit gehandelt und unterliegen somit der globalen Marktwirtschaft. Preise werden auch hier durch Angebot und Nachfrage gebildet. Als Beispiel kann der wirtschaftliche Aufschwung in aufstrebenden Schwellenländern herangezogen werden. Durch die positive wirtschaftliche Entwicklung steigt zuerst die Nachfrage nach Industrierohstoffen und lässt die Preise hierfür weltweit stark anziehen. Mit einer zeitlichen Verzögerung steigt daraufhin der Wohlstand der Bevölkerung, was gleichzeitig auch zu einem erhöhten Konsum von höherwertigen Lebensmitteln (Fleisch, Milchprodukte, Gemüse)  führt. Das bewirkt wiederum eine weltweit steigende Nachfrage nach Fleisch sowie nach Futtermitteln. Zum Futtermittel gehört auch Getreide, welches auch bei uns in Deutschland deutlich teurer geworden ist. Dieses Beispiel zeigt, dass Energiepflanzen, Futter- und Nahrungsmittel einem weltweiten Wettbewerb unterliegen.
Natürlich sind Einflussfaktoren wie Wetter, Politik, gesetzliche Bestimmungen, Förderungen und Vorgaben etc. an der Preisbildung und Preisentwicklung für z. B. Getreide beteiligt. Weltweit ist mit einer Zunahme der Bevölkerung auf neun Milliarden Menschen bis 2050 zu rechnen. Allein dadurch wird sich die Nachfrage nach Nahrungsmitteln deutlich erhöhen. Die Bedürfnisse nach Nahrungsmitteln und Energiepflanzen werden nur mit einer Steigerung der Flächeneffizienz zu decken sein.

Das bekannte und oft zitierte Beispiel der Tortillas in Mexiko ist - bei genauer Betrachtung - als Beispiel für eine Verteuerung von Nahrungsmitteln, die in Konkurrenz zu Energiepflanzen stehen, nicht geeignet. Hat es doch einen speziellen Problemkreis aufgezeigt, nämlich fehlgeleitete landwirtschaftliche Strukturen als Ursache von Unterversorgung. Denn die US-amerikanische Landwirtschaft lieferte jahrelang Überschussmengen zu Dumpingpreisen nach Mexiko und sorgte so dafür, dass die lokale Landwirtschaft nicht mehr konkurrenzfähig war. Das Abziehen der Dumpingmengen hat dann zur kurzfristigen Verknappung der Waren geführt, was der mexikanischen Bevölkerung im ersten Moment wie eine Preisexplosion vorkommen musste. Doch letzten Endes kam das Ganze einer Normalisierung gleich, die in der Folge eine wirtschaftlich gesunde, einheimische Landwirtschaft nach sich ziehen sollte.
Der Anbau von Energiepflanzen für die Bio-Erdgaserzeugung fügt sich in natürlicher Weise  in die Fruchtfolgen der Landwirtschaft ein. Durch gezielten Wechsel der angebauten Pflanzenkulturen (Fruchtfolgeregelung) werden Monokulturen und ein Auslaugen der Böden nachhaltig vermieden. Der Anbau der Energiepflanzen erfolgt rotierend. Dabei werden lokal stets nur etwa zehn bis zwanzig Prozent der Anbauflächen gleichzeitig für Energiepflanzen genutzt.

Die Gefahr der Entwicklung von Monokulturen in Deutschland und West-Europa ist eher gering. Die landwirtschaftlich nutzbare Ackerfläche in Deutschland beträgt ca. 11,8 Millionen ha. Hinzu kommen nochmals über fünf Millionen ha Grünland. Prognosen gehen heute davon aus, dass von der Ackerfläche bis 2030 ca. drei Millionen ha alternativ (d. h. nicht für Nahrungs- und Futtermittel) genutzt werden. Die landwirtschaftlichen Anbauflächen in Deutschland sind sehr hochwertig und werden auf jeden Fall auch in Zukunft weit überwiegend für die Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln genutzt.
Die Aussagen verschiedener Studien gehen hier zum Teil weit auseinander. Stützt man sich auf die vom BGW/DVGW in 2006 herausgegebene Biomassestudie* so stehen derzeit ca. 1,6 Millionen ha alternativ nutzbare landwirtschaftliche Ackerfläche zur Verfügung (von ca. 11,8 Millionen ha). Dies entspricht gut 13 Prozent und kann bis 2030 auf gut 25 Prozent steigen. Welcher Anteil davon wiederum für die Produktion von Biogas genutzt wird, ist nicht genau abzusehen. Hier steht Biogas im Flächen-Wettbewerb mit Brennholz, Biodiesel, Bioethanol und vielen weiteren Rohstoffen.

Doch eins ist in diesem Zusammenhang schon jetzt klar: Die Flächeneffizienz von Bio-Erdgas ist im Vergleich zu anderen Energieträgern aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien wie Biodiesel und Bioethanol um ein Mehrfaches größer. Liegt die Kilometerleistung für ein Mittelklasseauto per ha Ackerfläche und Jahr bei Bio-Erdgas bei fast 70.000 Kilometern, würde dasselbe Fahrzeug von Biodiesel angetrieben nur rund ein Drittel der Strecke zurücklegen.

* "Analyse und Bewertung der Nutzungsmöglichkeiten von Biomasse", 2006

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