E.ON AG
09.09.2010  06.54 Uhr
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Fragen und Antworten zur

CCS-Technologie

Ein Kohlekraftwerk, das als "Carbon Capture Ready" bezeichnet wird, ist für eine spätere Nachrüstung einer CO2-Abtrennung und -Speicherung vorbereitet und schafft somit die Voraussetzungen für einen Ausweg aus der langfristigen Festlegung auf die hohen CO2-Emissionen, die der langjährige Betrieb dieses Kraftwerkstyps mit sich bringt. Die öffentlich diskutierte Forderung nach der Ausführung von heutigen Neubau-Kraftwerken als "Carbon Capture Ready" hat zwei Gründe: Zum einen ist der kurzfristige Ersatz von Kraftwerkskapazitäten dringend erforderlich, zum anderen haben die CCS-Technologien heute die kommerzielle Anwendungsreife noch nicht erreicht und können daher noch nicht eingesetzt werden.

Da wir bei unseren Investitionsentscheidungen die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Laufe des 40-jährigen Betriebs neuer Kraftwerke berücksichtigen, liegt eine derartige Vorbereitung unserer Neubau-Kraftwerke in unserem eigenen wirtschaftlichen Interesse. Der Emissionshandel ist als Steuerungsmechanismus bereits in Kraft und führt zu steigenden CO2-Preisen, die CCS möglicherweise noch während der Laufzeit unserer heutigen Neubau-Kraftwerke zu einer wirtschaftlichen Alternative werden lassen. Um darauf reagieren zu können, führen wir unsere Neubau-Kohlekraftwerke "Carbon Capture Ready" aus.

Da die notwendigen Voraussetzungen für eine spätere Nachrüstung heute noch nicht eindeutig definiert sind, haben wir uns die Expertise des TÜV Nord zu Nutze gemacht und unser Maßnahmenpaket auf den Prüfstand gestellt. Der TÜV Nord hat uns für die beiden Neubauvorhaben "50plus" in Wilhelmshaven und Antwerpen mit seinem "Carbon Capture Ready"-Zertifikat bestätigt, dass alle erforderlichen Maßnahmen bei der Planung dieser Kraftwerke berücksichtigt wurden. Weitere E.ON-Neubauprojekte werden in der näheren Zukunft ebenfalls vom TÜV geprüft.
Mit der viel diskutierten Halbierung der globalen Emissionen bis 2050 mittels Erneuerbarer Energien und höherer Energieeffizienz ist es allein nicht getan. Schließlich belaufen sich die verbleibenden 50 Prozent der weltweiten Emissionen auf ca. 11,5 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr - eine nach wie vor erhebliche Belastung für die Atmosphäre. Rund 4,2 Milliarden Tonnen würden aus fossilen Kraftwerken und etwa 1,5 Milliarden Tonnen aus Industrieanlagen emittiert - diese zu verhindern, ist die große Chance, die der Einsatz von CCS bietet. Daran zeigt sich, dass die Lösung des Klimaproblems nicht mit einzelnen Technologien machbar ist, sondern vielmehr mit einem breiten Portfolio aller zur Verfügung stehenden Maßnahmen, die erst in ihrer Summe eine langfristig wirkungsvolle und ambitionierte Klimaschutzpolitik möglich machen.
Der Einsatz der CCS-Technologien erfordert zusätzliche Energie für die Abtrennung von CO2, was den Brennstoffbedarf der CO2-armen Stromerzeugung um rund 30 Prozent erhöht. Durch Verfahrensoptimierungen, den Einsatz neuer Werkstoffe und Technologien im Rahmen der intensiven Forschung und Entwicklung soll der Energiebedarf deutlich gesenkt werden. Diese Optimierungspotenziale gilt es auszuschöpfen, um die klimafreundliche Kraftwerksgeneration zu entwickeln. Wir streben CO2-arme Kohlekraftwerke mit einem Wirkungsgrad von mehr als 40 Prozent an. Der derzeitige zusätzliche Energieaufwand beim Einsatz der CCS-Verfahren wird zudem nicht "verschwendet". Denn er ist eine notwendige Investition in die Zukunft des Klimaschutzes um Abscheidung, Transport und Speicherung von CO2 langfristig auf den Weg zu bringen und zu realisieren. Weiterhin muss der Energieaufwand in Relation zu anderen energieintensiven Optionen der Emissionsvermeidung diskutiert werden. Die Tatsache, dass Kohle zukünftig weltweit betrachtet der wichtigste Energieträger sein wird, ist ein schlagkräftiges Argument für die konsequente Entwicklung und den Einsatz der klimafreundlichen CCS-Technologien als Baustein einer globalen Klimaschutzstrategie.
Zur Speicherung der weltweit anfallenden großen CO2-Mengen besteht Forschungsbedarf, um die unterschiedlichen geologischen Bedingungen zu untersuchen. So finden derzeit zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zu nationalen und internationalen Speicherkapazitäten statt - unter intensiver Beteiligung des E.ON-Konzerns. Das Monitoring des Speicherprozesses, die Langzeitsicherheit und technische Fragen stehen dabei im Vordergrund. Prinzipiell wird die unterirdische Speicherung von CO2 schon seit Jahren großtechnisch durchgeführt - darunter in den USA und Norwegen. So gelingt es im norwegischen "Sleipner-Projekt", jährlich eine Million Tonnen CO2 in einem Offshore-Aquifer ohne erkennbare Leckagen zu speichern.

Die Forschungsergebnisse einzelner Projekte sind aber nur bedingt auf alle übrigen Speicherorte zu übertragen - zu unterschiedlich sind die geologischen Bedingungen. Das IPCC geht in seinem CCS-Bericht von 2005 davon aus, dass eine Dichtigkeit von über 99 Prozent in 1000 Jahren wahrscheinlich ist. Das heißt, es werden über 1000 Jahre 99 Prozent der CO2-Emissionen zurück gehalten, die sonst in die Atmosphäre gelangen würden. Da CO2 nicht brennbar und nur in hoher Konzentration giftig ist, würde ein Entweichen aus einem Speicher - das nur langsam und allmählich vor sich ginge - kein unmittelbares Gefahrenpotenzial für Mensch und Umwelt bedeuten. Die Industrie verfügt über weitreichende Erfahrung im Umgang mit dem sicheren Pipeline-Transport von Öl und Gas, welche für den CO2-Transport genutzt werden können.

Es gibt auf der Erde natürliche CO2-Vorkommen im Untergrund, aus denen kontinuierlich Kohlendioxid austritt und die CO2-Konzentration in der Atemluft lokal erhöht. Eine Gefahr durch CO2 besteht erst dann, wenn große Mengen CO2 den Anteil des Sauerstoffes in der Luft zu stark reduzieren. Deshalb kommen für die CO2-Speicherung nur geologische Strukturen in Frage, deren natürliche Dichtigkeit lokale Austritte mit großer Sicherheit ausschließen.
Selbstverständlich verursacht eine neue Technologie auch zusätzliche Kosten, so wie der gesamte Schutz des Klimas bei der Energienutzung bzw. Stromerzeugung Kosten verursacht. Diese Grundbedingung gilt für die meisten Klimaschutzmaßnahmen von der Förderung Erneuerbarer Energien bis hin zum Einsatz effizienterer Maschinen und Motoren.

Wer sich der anspruchsvollen Herausforderung Klimaschutz stellt, muss alle möglichen Instrumente und Maßnahmen im Klimaschutzportfolio in Betracht ziehen, parallel entwickeln und fördern. Dabei stehen CCS, Energieeffizienzsteigerungen, der Ausbau Erneuerbarer Energien sowie die Nutzung der Kernenergie, wo sie durchführbar und vertretbar ist, keinesfalls in Konkurrenz zueinander, sondern sie ergänzen sich vielmehr. Schließlich wird nur der Einsatz aller Instrumente und Maßnahmen zu einer ökonomisch optimalen Klimaschutzlösung führen. Wer hier vorschnell eine Option verwirft, riskiert den Erfolg des gesamten Portfolios und damit der globalen Klimaschutzanstrengungen. Die Investitionen in die Entwicklung der CCS-Technologien sind nicht als eine optionale, sondern als eine notwendige, zusätzliche Maßnahme für den Klimaschutz zu bewerten.

Man muss realistischerweise davon ausgehen, dass die vorhandenen Ressourcen an Kohle durch die Menschen genutzt werden. Wenn nicht in Deutschland oder Europa, dann an anderer Stelle auf der Welt. Daher ist die Entwicklung und Einführung der CCS-Technologie ein Muss.
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